01.09.2008

STRASSENKUNSTProtest aus der Dose

Niemand hält die Kunstszene so in Atem wie der britische Graffiti-Sprayer Banksy, dieses Phantom, über dessen Identität seit Jahren gerätselt wird. Seine heimlich besprühten Hauswände erregen weltweit Aufmerksamkeit, die von ihm bearbeiteten Bretter und Leinwände gehören zu den begehrtesten Trophäen des Marktes. Nun hat Banksy pünktlich zum Jubiläum des Hurrikans "Katrina" seine Spuren in New Orleans hinterlassen, das vor genau drei Jahren fast völlig verwüstet wurde. Er besprühte zahlreiche Gebäude, die noch immer auf eine Instandsetzung warten - mit Motiven, die den für ihn typischen Sarkasmus beweisen. Die provokanten Szenen tragen Titel wie "Offensichtlich gab es hier vor ein paar Jahren einen Sturm", sie zeigen unter anderem plündernde Soldaten, Abraham Lincoln als Obdachlosen und einen Jungen, der auf einem Rettungsring schaukelt. Auf eine Häuserfront hat Banksy einfach die Wörter "Keine Hilfe New Orleans" geschrieben. In der vergangenen Woche ließ er mitteilen, er verstehe seine Aktion auch als Antwort auf den Graffiti-Gegner Fred Radtke. Dieser in den USA weithin bekannte Aktivist führt ausgerechnet im geschundenen New Orleans eine Kampagne gegen Sprayer an. Der Straßenkünstler Banksy hat es dagegen mit seinem Protest aus der Dose geschafft, das ganze Land an die Katastrophe zu erinnern, deren Folgen bis heute nicht bewältigt sind.

DER SPIEGEL 36/2008
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