22.09.2008

SIEMENSWer darf prüfen?

Im Aufsichtsrat von Siemens steht am Mittwoch dieser Woche eine wichtige Weichenstellung an: Das Gremium wählt den Abschlussprüfer für das kommende Geschäftsjahr aus. Auf der vergangenen Hauptversammlung Ende Januar hatten die Aktionäre mit großer Mehrheit zugestimmt, den Kontrollauftrag im Wert von knapp 90 Millionen Euro neu auszuschreiben, nachdem der bisherige Siemens-Prüfer KPMG durch die Korruptionsaffäre erheblich unter Druck geraten war. Ob der Marktführer in Deutschland das Mandat dennoch wieder erhält, müssen nun die 20 Kontrolleure und vor allem der sechsköpfige Prüfungsausschuss entscheiden, die sich vergangene Woche noch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten. Ein Großteil der Arbeitnehmervertreter neigt offenbar dazu, weiterhin die KPMG zu beauftragen, da diese an der Aufklärung der Schmiergeldaffäre aktiv mitgearbeitet und einen Großteil ihrer früheren Mitarbeiter inzwischen ausgetauscht habe. Außerdem, warnen sie, würde ein Wechsel des Buchprüfers Kosten in zweistelliger Millionenhöhe und erhebliche Anlaufprobleme verursachen. Prominente Mitglieder der Kapitalseite plädieren dagegen dafür, dem KPMG-Wettbewerber Ernst & Young eine Chance zu geben. Nur so, argumentieren sie, sei ein kompletter Neubeginn möglich und auszuschließen, dass Aktionärsschützer auf der kommenden Hauptversammlung erneut heftige Kritik an der Zusammenarbeit mit KPMG üben.

DER SPIEGEL 39/2008
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