06.10.2008

STÄDTEBAUSteine des Anstoßes

In ganz Europa, vor allem in Deutschland, sind mehrere hundert neue, oft prachtvolle Moscheen geplant. Die Architektur wird zum Austragungsort des erbitterten ideologischen Streits darüber, welchen Platz die westliche Gesellschaft ihren muslimischen Bürgern einräumen soll.
Vor ein paar Minuten stand die junge Architektin Mubashra Ilyas noch auf ihrer staubigen Baustelle, jetzt schreitet sie in eleganten schwarzen Stiefeln durch eine Hinterhofgalerie in Berlin-Mitte. Der Raum füllt sich langsam, Ilyas fällt schon deshalb auf, weil sie als einzige Frau ein Kopftuch trägt.
"Moscheen, Migration und Mythos" sollen hier an diesem Abend diskutiert werden, da will die 30-jährige Architektin nicht fehlen. Von Ilyas stammt der erste Moscheeneubau im Osten Berlins, sogar im Osten Deutschlands, und er ist so gut wie vollendet. Mitte nächster Woche, am 16. Oktober, wird die Eröffnung begangen.
Darum, dass die sogenannten Hinterhofmoscheen bald der Vergangenheit angehören werden, geht es in den nächsten Stunden in der Architekturgalerie, um die Ästhetik der neuen Moscheen, um traditionelle und moderne Stile. Und vor allem darum, dass die Muslime in Deutschland sichtbar werden wollen. Stein auf Stein, Moschee für Moschee, eine gebaute Präsenz im Stadtbild, wie es sie bisher nicht gibt.
Man kann, zu Recht, von einer Konfliktarchitektur sprechen. Denn an ihr wird deutlich, wie groß die Kluft zwischen Mehrheits- und Migrationsgesellschaft ist.
Dass lauter Wahrzeichen des Islam entstehen, könnte die Gesellschaft verändern - und noch weiß keiner, wie. Die einen fordern Gelassenheit angesichts dieser Entwicklung, die anderen warnen vor dem wachsenden Einfluss fundamentalistischer Gruppen. Beide Standpunkte sind nachvollziehbar, das macht jede Auseinandersetzung so heikel.
Kein Land in Europa kann sich der Debatte einfach entziehen. In Deutschland währt die Geschichte der Migration schon 50 Jahre, und nun muss auch die hiesige Gesellschaft mit den zugewanderten Muslimen endlich eine Bevölkerungsgruppe integrieren, deren Glaube ihr fremd geblieben ist. Zugleich darf sie nicht in falschverstandener Toleranz ihre eigenen Werte aufweichen, mit dem Argument der Glaubensfreiheit sogar ideologische Attacken gegen die Grundordnung des Westens hinnehmen. Ebenso wenig aber - und das wird oft vergessen - sind Vorverurteilungen erlaubt. Es wird also eher heikler als leichter, und es steht viel auf dem Spiel: Auch dafür sind Moscheen Symbole.
Mubashra Ilyas wird sich heute Abend nicht in die Debatte einmischen. Sie ist es nicht gewohnt, Fragen zu stellen, dafür umso mehr, welche zu beantworten "und mich als Muslimin verteidigen zu müssen".
In der Galerie diskutieren vor allem Architekten, und darum diskutieren sie vor allem über Architektur, über Ästhetisches. Doch wie die Moscheen aussehen, ist zurzeit fast egal. Die ungeheure Herausforderung, die der Moscheenbau für die europäische Stadtplanung bedeutet, ist eine andere: Sie liegt schlicht darin, dass es diese neuen Gebetshäuser gibt. Wie am deutlichsten am Kölner Moscheestreit zu erkennen war, machen sie einen gesellschaftlichen Wandel konkret sichtbar, mit dem die Bevölkerung längst noch nicht ihren Frieden geschlossen hat.
Der Begriff Moschee bezeichnet einen "Ort des Niederwerfens". Aber den vielen Gegnern der neuen Gebetshäuser erscheinen diese als pure Anmaßung, und sie halten den Blick auf ein Minarett für unerträglicher als die freie Sicht auf die nächste Tankstelle.
Das gilt für Italien und Norwegen, für die Schweiz oder auch für Großbritannien, wo mehr als 270 000 Menschen eine Petition gegen eine erst vage geplante Mega-Moschee unterzeichneten - und es gilt insbesondere für Deutschland, wo die meisten islamischen Gebetshäuser errichtet werden sollen: knapp 200. Auch dieses Land ist nicht gerade arm an Bürgerinitiativen, die gegen das Entstehen neuer Moscheen vorgehen.
An den vielen Versuchen, die Neubauten zu verhindern, zeigt sich, wie auf dem Felde der Architektur ein Konflikt ausgetragen wird, der ansonsten im Verborgenen schwelt. Das Streitmuster ist fast überall dasselbe. Erst werden Eingriffe ins urbane Gefüge verhandelt, da geht es um Standorte und die Höhe von Kuppeln und Minaretten, um 15, 20, 55 Meter, womöglich auch - wie etwa in München - um die ästhetische Konkurrenz mit einer benachbarten Kirche. Dann landet man beim großen Ganzen: bei Hasspredigern, Terroranschlägen, beim Dschihad - und dem Vorwurf, Europa beuge sich mit jedem Minarett der Macht von Mekka.
Mubashra Ilyas ist die Tochter pakistanischer Einwanderer, sie ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen, sie hat sich schon während ihres Studiums in Darmstadt mit Moscheen als "Fremdkörpern in der Stadt" beschäftigt. Nun bereitet sie eine Promotion zur Architektur der Gebetshäuser vor. Wegen der Arbeiten auf der Baustelle komme sie nicht so schnell voran wie gewünscht, gesteht sie.
Auftraggeber ihrer Hauptstadt-Moschee ist die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde, der sie auch angehört. Ilyas hat an ähnlichen Projekten mitgearbeitet, das Gebetshaus im Berliner Stadtteil Heinersdorf ist ihr eigentliches Debüt.
Schon jetzt hat diese Moschee eine hässliche Geschichte. Zuerst brannte ein Bauwagen, später beschmierten Eindringlinge die Kuppel mit einer Hetzparole: "Raus mit diesem Scheiß! NSDAP". Es gab Kundgebungen, die nicht alle gewaltfrei abliefen. Einige waren von der NPD organisiert worden.
Eine andere Stadt, ein anderer Bauherr, eine Erfolgsgeschichte: Zehn Tage nach Berlin-Heinersdorf, am 26. Oktober, steht die Eröffnung der Merkez-Moschee im Duisburger Arbeiter- und Industrieviertel Marxloh an. Sie wird das größte islamische Gotteshaus in Deutschland sein. Viele Jahre lang trafen sich die türkischstämmigen Gemeindemitglieder in einer ehemaligen Zechenkantine. Dann entschieden sie sich für Abriss und Neubau. Nun haben sie ein neues, prachtvoll ausgemaltes Gebäude mit Platz für 1200 Gläubige und für eine Begegnungsstätte. Es gab Spenden und öffentlich-rechtliche Gelder - und es kam zu keinem größeren Widerstand.
"Jede Stadt funktioniert anders. Viele Orte befinden sich einfach noch in der Steinzeit der Integration, da ist nichts zusammengewachsen", sagt Mustafa Kücük, Sprecher der Duisburger Moschee. Er betont auch: "Wenn eine Gemeinde eine Moschee errichten darf, kann sie ihren Leuten sagen, ihr werdet hier akzeptiert."
Ist Duisburg besonders liberal? Zwei weitere Moscheeneubauten in der Stadt lösten Proteste der Anwohner aus.
Rund 16 Millionen Muslime leben in der Europäischen Union, mehr als 3 Millionen davon in Deutschland. Sie teilen den Glauben, nicht unbedingt die geografischen Wurzeln, Sprachen, Traditionen. Mehr als 70 Prozent der deutschen Muslime sind türkischer Herkunft. Viele Moscheevorhaben, auch die in Köln-Ehrenfeld und Duisburg-Marxloh, werden von der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion" (Ditib) initiiert.
Bisher gibt es in Deutschland 2600 islamische Gebetszentren. Dazu kommen 200 Bauten, die als Moscheen zu identifizieren sind, nun soll sich diese Zahl also verdoppeln. Im Grunde ist es fast überall nur der Umzug aus unauffälligen Provisorien in sakrale Räume, man schafft sich würdigere Wahrzeichen, meistens allerdings in dezentralen, bescheidenen Lagen. In Ingolstadt entstand eine Moschee neben einer Sondermülldeponie.
Man kann den Muslimen nicht zuerst vorwerfen, sich in Hinterzimmern zu verschanzen, sich der Eingliederung in die Gesellschaft zu verweigern, und sie dann dafür kritisieren, dass sie sich dort, wo sie in zweiter und dritter Generation leben, echte Gotteshäuser schaffen wollen. Schließlich stellen sie sich dadurch auch der Öffentlichkeit. Eine "unsichtbare", für die Mehrheit undurchschaubar wirkende Minderheitenkultur birgt im Zweifel viel größere Probleme als eine, die mit ihrer Sichtbarkeit ja auch eine neue Alltäglichkeit schafft.
Worin genau liegt also die Provokation?
In der Kölner Debatte um das Gotteshaus im Stadtteil Ehrenfeld nannte der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano das Projekt eine "Landnahme auf fremdem Territorium", sogar eine "Kriegserklärung". Ihm schlossen sich viele an, die sonst immer zur Stelle sind, wenn es darum geht, Toleranz zu predigen. Die Kontroverse wurde international wahrgenommen - und sie ist längst noch nicht verwunden. Im Gegenteil.
Inzwischen wurde die Baugenehmigung erteilt, wurde dieser heftigste deutsche Moscheestreit in einem Buch aufgearbeitet, aber nichts ist geklärt*. Im September sprachen sich die deutschen katholischen Bischöfe für den Bau von Moscheen aus - verbaten sich jedoch jegliche Demonstration von "Machtansprüchen, Rivalität oder eines aggressiven Gegeneinanders". Das klingt wie eine Drohung, zumindest lässt es auf eine Furcht vor konkurrierenden Wahrzeichen schließen.
Der Kölner Entwurf sieht ein raumgreifendes Bauwerk in einer beinahe futuristischen Ästhetik vor: als Kuppel eine ausladende Gebäudeschale, mehrfach aufgebrochen, gerahmt von zwei Minaretten. Die Verschmelzung von islamischer Tradi-
tion und westlicher Anmutung entspreche auch ihren Vorstellungen von einer zeitgemäßen Moschee, sagt Mubashra Ilyas.
Paul Böhm ist der zuständige Architekt in Köln, er gehört an diesem Abend auch der Berliner Podiumsrunde an. Böhm entstammt einer Familie von Kirchenbaumeistern und fordert, eine Stadt müsse auch noch andere visuelle Bezugspunkte haben dürfen "außer Kaufhäusern und Fußballstadien".
Eher nebenbei merkt er an, dass jede Architektur politisch sei und dass "es super wäre", könnten später auch "Die satanischen Verse" von Salman Rushdie in seiner Moschee vorgetragen werden.
Neben Böhm sitzt sein niederländischer Kollege Wilfried van Winden, er trägt gestreifte Schuhe zum gestreiften Anzug. In Rotterdam errichtet er eine postmodern verspielte Moschee von monumentalen Ausmaßen, es wird eine der größten in Europa sein. Er habe sich vor ein paar Jahren im Urlaub überlegt, er wolle endlich einmal ein sakrales Gebäude entwerfen, verrät van Winden.
Und die Verwerfungen, die es innerhalb der marokkanisch geprägten Gemeinde gab, weil einige Mitglieder die finanzielle Unterstützung und die damit verbundene Einflussnahme auf die Predigten durch zwei Scheichs aus Dubai ablehnten? Kein Wort dazu.
Nach zwei Stunden ist das Gespräch auf dem Podium vorbei, Wasser, Wein und Sekt werden ausgeschenkt, Mubashra Ilyas läuft herum, wirkt ein wenig verloren.
Der Kunsthistoriker Christian Welzbacher, der die Berliner Diskussion moderiert hat, preist in einem neuen Buch zur "Euroislam-Architektur" das Bemühen vieler Moscheebaumeister um eine kulturverbindende Formensprache**. Er fordert eine "Qualitätsdebatte um die neue Form islamischer Architektur in Europa" - und plädiert dafür, die Bauten als Bestandteil der europäischen Kultur zu akzeptieren.
Manchmal gelingt das: Das Islamische Forum im oberbayerischen Ort Penzberg, entworfen vom Augsburger Architekten Alen Jasarevic, gilt mit seinen filigranen Strukturen bereits als einer der schönsten Sakralbauten der Gegenwart.
Aber trotz aller Plädoyers und gelungenen Bauten ist die Lage oft genug viel komplexer, widersprüchlicher, als die Architektur es erahnen ließe.
Das trifft für die Projekte der Ahmadiyya-Gemeinde zu - da darf eine Frau eine Moschee bauen, die noch dazu von Frauen finanziert wird, und doch gilt diese religiöse Gruppe als eine, die ihre weiblichen Mitglieder unterdrückt. Sie trage ihr Kopftuch freiwillig, sagt Mubashra Ilyas dazu. Beruflich habe sie mehr erreicht als viele andere Architekten in ihrem Alter.
Ihr Bau in Berlin-Heinersdorf ist dezent und mit Kuppel und Minarett doch ein Blickfang, er erhebt sich in einer Gegend, in der die Stadt in lauter Verkehrsadern ausfranst - und dort direkt hinter einer Filiale von Kentucky Fried Chicken.
Schon jetzt dürften täglich Tausende Autofahrer, die die nahe Ausfallstraße nutzen, ihre sakrale Geste wahrnehmen. Wenn die Absicht darin bestand, vom Rand der Stadt aus ins allgemeine Bewusstsein einzudringen, ist diese Adresse eine kluge Wahl.
"Darüber haben wir nicht nachgedacht. Wir waren froh, überhaupt irgendwo bauen zu dürfen", widerspricht Ilyas. "Und natürlich sind Moscheen Symbole. Aber für was? Das legt jeder anders aus, das ist ja ein Teil des Problems. Für uns sind sie Orte des Rückzugs, für andere ein Ausdruck von Macht."
An einem Nachmittag im Spätsommer empfängt der deutsche Vorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinschaft eine Gruppe von Studenten in seiner neuen Berliner Moschee. Abdullah Uwe Wagishauser ist früh zum Islam konvertiert. Er begrüßt die knapp 30 Teilnehmer eines Seminars zum "interkulturellen Zusammenleben". Sie stammen unter anderem aus den USA, Kanada, der Ukraine, auf dem Stundenplan steht "Moscheekonflikte".
Wagishauser wirkt fröhlich, beinahe aufgedreht. Er lacht, wenn er der Gruppe zuruft: "Wir mussten auf die Kosten achten, wir haben kein Öl, keinen Gaddafi, der uns finanziert." Und er lacht auch, wenn er sagt: "Kirchen werden geschlossen, Moscheen werden eröffnet."
Mehrmals fällt der Satz: "Wenn wir Moscheen bauen, werden wir sichtbar."
Bei der Fragerunde zeigt sich, dass sich die Studenten weniger für Minaretthöhen und mehr für das Weltbild der Ahmadiyya-Leute interessieren. Wie er mit Mitgliedern der Gemeinde umgehe, die schwul seien, wird Wagishauser gefragt, auch, warum die Frauen Kopftücher tragen müssten.
Homosexualität, so antwortet er, liege nicht in der Natur des Menschen, "und es gibt keine Religion, die das unterstützt". Die Kopftücher dienten dem Schutz der Frauen vor den begehrlichen Blicken, die sie sonst träfen - "denn sollen wir die Natur der Männer verändern?"
Zieht man von den Ausführungen Wagishausers das Lächeln auf seinem Gesicht ab, bleibt viel Streitbares übrig. Offene Gespräche, das macht diese Begegnung deutlich, bringen nicht immer Verständigung oder gar Annäherung.
Und doch ist die Neugier der Studenten angebrachter als das, was sonst die Auseinandersetzung bestimmt: vorgefasste Meinungen, fehlende Differenzierung. Die einen geben sich ihren Ressentiments hin, die anderen halten in ihrer maßlosen, auch sturen Toleranz jede Forderung nach Transparenz für politisch unkorrekt. Das aber ist nur eine andere, nicht weniger bedenkliche Form von Desinteresse.
So oder so wird die tiefergreifende Integration verhindert - denn dazu gehört auch der ehrliche Austausch, selbst dann, wenn die Wahrheiten unangenehm sind.
Dem kritischen Blick auf den Einzelfall verstellen sich also sowohl die Pauschalgegner wie die Pauschalbefürworter.
Viele Fragen drängen sich auf: Welche finanziellen und ideologischen Einflüsse, welches Weltbild, welche Interessen stehen hinter den Auftraggebern einzelner Moscheen? Wie verhält es sich mit dem Verhältnis zur Demokratie?
Den meisten Deutschen dürfte etwa die Ahmadiyya-Gemeinschaft mit ihren vorwiegend pakistanischen Mitgliedern unbekannt gewesen sein - bis ihr in London lebender Anführer ankündigte, für die angeblich 30 000 Anhänger in Deutschland 100 neue Moscheen errichten zu wollen. Die Anhänger bezeichnen ihre mehr als 100 Jahre alte Gemeinde als liberale Reformbewegung, die Kritiker nennen diese eine sektenhafte Gruppierung. Fünf Moscheen pro
Jahr seien in Deutschland realistisch, sagt Wagishauser - das spricht tatsächlich für den strategischen Ausbau der Präsenz.
Der Bau neuer Moscheen wird in den nächsten Jahrzehnten nicht abreißen. "Man muss entscheiden, wie mit dieser steingewordenen Einwanderung umzugehen ist", sagt der Berliner Stadtplaner und Moscheefachmann Reinhold Zemke. Schon die Standorte seien ein Problem.
"Würden Sie eine Kirche in ein Gewerbegebiet verdammen?", fragt Zemke, "Moscheen werden in Randgebiete gedrängt, obwohl sie in zentraleren Lagen weniger auffallen und irritieren würden."
Zemke glaubt nicht daran, dass die Konflikte abebben werden - "und das wäre auch falsch, es muss erlaubt sein, alle Fragen stellen zu dürfen".
Man darf, man muss streiten. Nur: Wer stellt die Regeln dieses Streits auf? Der Soziologe Jörg Hüttermann hat eine Studie zu den Moscheekonflikten veröffentlicht, er hält die Debatten für gesellschaftliche Rangordnungsgefechte - und für notwendige Lernprozesse*.
Er spricht von "learning by doing"-Konflikten - nur warnt er vor der Sorte von Konfrontation, die in Gewalt umschlagen könnte. Vokabeln wie "Parallelgesellschaft" seien regelrecht gefährlich, weil sie im Grunde als pauschale Anschuldigung gemeint seien.
Und auch die alten ideologischen Gruppenzuordnungen innerhalb der deutschen Gesellschaft greifen nicht mehr, wenn zur Seite der Moscheegegner Vordenker des Landes ebenso gehören wie ein paar Heinersdorfer Neonazis. Darin liegt eine ganz eigene Brisanz.
Letztlich geht es immer auch um Bilder - um Weltbilder, Feindbilder, um Symbole. Es ist eine schwere Aufgabe, sie zu entzerren, sie richtig zu deuten. Aber es wäre falsch, es nicht zu versuchen.
In vielen deutschen Städten, auch in denen kleiner und mittlerer Größe, setzt sich die Bevölkerung aus den Mitgliedern vieler Kulturen zusammen. Nun wird das offensichtlicher. Viele Moscheebauten werden als "Heimweharchitektur" bezeichnet, weil sie orientalisch wirken, andere erscheinen in ihrem Stil fast europäisch. Aber im Grunde drücken alle den Wunsch aus, in dieser Heimat Deutschland anzukommen, wirklich heimisch zu werden. "Es ist wichtig, dass wir uns zeigen, dass wir nicht im Verborgenen bleiben", findet Ilyas. Sie glaube daran, dass sie mit Architektur eine Haltung ausdrücken, etwas verändern könne.
Nur darf sich die Offenheit nicht auf die Ästhetik der Gebetshäuser beschränken. Dafür, dass Integration glückt, tragen alle die Verantwortung. Auch daran sollten Moscheen erinnern. ULRIKE KNÖFEL
* Franz Sommerfeld (Hg.): "Der Moschee-Streit". Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 240 Seiten; 8,95 Euro.
** Christian Welzbacher: "Euroislam-Architektur". Verlag Sun Publishers, Amsterdam; 112 Seiten; 24,50 Euro.
* Jörg Hüttermann: "Das Minarett". Juventa Verlag, Weinheim; 240 Seiten; 25 Euro.
Von Ulrike Knöfel

DER SPIEGEL 41/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/2008
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

STÄDTEBAU:
Steine des Anstoßes

Video 01:03

Mountainbike-Massenkarambolage Neues Video vom "Höllenberg" veröffentlicht

  • Video "Stunt in Basel: Einfach mal reinspringen" Video 00:48
    Stunt in Basel: Einfach mal reinspringen
  • Video "Chirurgen als unentgeltliche Helfer: Operation Lächeln" Video 20:40
    Chirurgen als unentgeltliche Helfer: Operation Lächeln
  • Video "Naturphänomen in Ungarn: Atompilz über dem Plattensee" Video 00:36
    Naturphänomen in Ungarn: "Atompilz" über dem Plattensee
  • Video "Unerwartetes Breakdance Battle: Siebenjähriger trifft auf Cop" Video 01:01
    Unerwartetes Breakdance Battle: Siebenjähriger trifft auf Cop
  • Video "Monsun in Indien: Schleusentore nach Jahrhundertregen geöffnet" Video 01:08
    Monsun in Indien: Schleusentore nach Jahrhundertregen geöffnet
  • Video "Faszinierende Aufnahmen: Taucher treffen auf Mondfisch" Video 01:03
    Faszinierende Aufnahmen: Taucher treffen auf Mondfisch
  • Video "Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt" Video 01:10
    Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt
  • Video "Virtuelle Realität: Musikproduktion in 3D" Video 01:17
    Virtuelle Realität: Musikproduktion in 3D
  • Video "Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen" Video 01:16
    Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen
  • Video "Rettungsschiff Open Arms: Weitere Flüchtlinge springen ins Meer" Video 01:08
    Rettungsschiff "Open Arms": Weitere Flüchtlinge springen ins Meer
  • Video "Uber Boat: In Cambridge kommt der Kahn per App" Video 00:58
    "Uber Boat": In Cambridge kommt der Kahn per App
  • Video "Doku zu cholesterinreicher Ernährung: Fett for Fun" Video 29:10
    Doku zu cholesterinreicher Ernährung: Fett for Fun
  • Video "23.756 Container: Weltgrößtes Containerschiff in Bremerhaven" Video 01:06
    23.756 Container: Weltgrößtes Containerschiff in Bremerhaven
  • Video "Ein Jahr Greta Thunberg: Ikone und Hassfigur" Video 02:41
    Ein Jahr Greta Thunberg: Ikone und Hassfigur
  • Video "Mountainbike-Massenkarambolage: Neues Video vom Höllenberg veröffentlicht" Video 01:03
    Mountainbike-Massenkarambolage: Neues Video vom "Höllenberg" veröffentlicht