27.10.2008

DER MÜNCHHAUSEN-TEST

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki am 21. Oktober im Hörfunk von Bayern 3 über seinen Einsatz als Werbe-Ikone für eine T-Home-Anzeige
DIE FAKTEN
Am 11. Oktober fand im Kölner Coloneum die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises statt. Vor Millionen Zuschauern verwahrte sich der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gegen den während der Gala gezeigten "Blödsinn" und lehnte die vorgesehene Auszeichnung für sein Lebenswerk ab. Am darauffolgenden Wochenende erschien in mehreren Zeitungen eine Werbeanzeige für die Deutsche-Telekom-Geschäftseinheit T-Home. Zu sehen war Reich-Ranicki, wie er bei der Preisverleihung am Rednerpult mit erhobenem Zeigefinger doziert. Darunter der Text: "Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt."
DER TEST
Unstrittig ist, dass Reich-Ranicki und T-Home eine Vereinbarung über das Anzeigenmotiv getroffen hatten: "Das war ein ganz normaler Vertrag, das ist keine Affäre", sagt der Literaturkritiker. Er bestätigt auch, dafür bezahlt zu werden, ohne eine konkrete Summe zu nennen. T-Home-Sprecher Frank Domagala bittet um Verständnis, "dass ich wegen der Verträge über die Höhe des Honorars nichts sagen kann". Reich-Ranicki versucht indes, das gesamte Geschäft zu verschleiern, und spricht von einem "Missverständnis": "Ich habe gar nicht gewusst, um was es geht." Ein Missverständnis ist laut Duden eine "(unbeabsichtigte) falsche Deutung, Auslegung einer Aussage oder Handlung".
DAS FAZIT
Wer einen Werbevertrag abschließt, sich dafür bezahlen lässt und das hinterher ein Missverständnis nennt, will sein Publikum für dumm verkaufen.

DER SPIEGEL 44/2008
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