27.10.2008

VERKEHRSchwere Vorwürfe gegen ICE-Hersteller

Die anhaltenden technischen Probleme bei den ICE-Zügen vergiften das Klima zwischen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dem aus Siemens, Alstom und Bombardier bestehenden Herstellerkonsortium des ICE. Nachdem sich die Gruppe am vergangenen Freitag bei einer Krisensitzung im Berliner Bahn-Tower nach Ansicht Mehdorns nicht auf verbindliche Aussagen über die Haltbarkeit und die Wartungsintervalle der problematischen ICE-Achsen festlegen wollte, wirft der Bahn-Chef den Zugbauern Inkompetenz vor. Da den Herstellern "Informationen zu den Achsbelastungen angeblich nicht vorliegen", dränge sich die Frage auf, "nach welchen Kriterien sie diese Züge für uns entwickelt und geliefert haben". Dies "beunruhigt uns mindestens ebenso sehr, wie die Reduzierung der Inspektionsintervalle von 480 000 auf wahrscheinlich rund 45 000 Kilometer", wettert Mehdorn in einem Brief an den für die Bahntechnik zuständigen Siemens-Zentralvorstand Heinrich Hiesinger. Besonders erbost ist der Bahn-Chef darüber, dass die Hersteller offenbar noch "vier bis sechs Wochen" brauchen, um verlässliche Angaben über die tatsächliche Haltbarkeit der umstrittenen Bauteile machen zu können. "Dies müssen wir als für uns völlig inakzeptabel zurückweisen", heißt es in dem Brief, der in Kopie auch an Alstom und Bombardier ging. Laut Bahn waren ursprünglich Wartungsintervalle von 480 000 Kilometern vorgesehen. Nach dem Bruch einer ICE-Radwelle Mitte Juli in Köln hatte das Eisenbahnbundesamt bis zur Klärung der Unfallursache eine Inspektion alle 30 000 Kilometer angeordnet. Bei der Bahn kommt es durch die Sonderprüfungen nun zu heftigen Verspätungen und Zugausfällen.

DER SPIEGEL 44/2008
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