27.10.2008

Wirtschaft„Vollkommen neu denken“

Die WestLB braucht Staatshilfen - und will sich selbst teilen.
Die WestLB aus Düsseldorf will ein zweites Mal in diesem Jahr umfangreiche Staatshilfen beantragen: "Wir müssen die Bank für die kommenden Stürme rüsten", sagt Bank-Chef Heinz Hilgert. Anfang November will er seinem Aufsichtsrat vorschlagen, alle Bestandteile des Berliner Rettungspakets zu nutzen.
Zunächst geht es darum, weitere gefährdete Wertpapiere aus der WestLB-Bilanz zu entfernen. Bereits im Februar hatten die Eigentümer, das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkassenverbände und die NRW Bank, einen Risikoschirm von fünf Milliarden Euro aufgespannt, mit dessen Hilfe Wertpapiere in Höhe von 23 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft ausgelagert wurden.
Doch das reicht nicht. Zwar habe die seit Jahrzehnten krisengeschüttelte WestLB keine Subprime-Kredite oder andere strukturierten Anleihen mehr in der Bilanz, meint Hilgert. In Island stünden maximal hundert Millionen Euro im Feuer. Aber die Finanzkrise führt möglicherweise auch zu Abschreibungsbedarf bei staatlich garantierten Studentenkrediten, Autofinanzierungen oder Konsumentenkrediten aus den USA. Diese Art Wertpapiere soll nun vom Hilfsfonds der Bundesregierung übernommen werden.
Manche Eigentümer der WestLB hofften, ihre alten Garantien gegen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung eintauschen zu können. Dem erteilt Hilgert eine Absage: "Sie können den Schirm nicht umwidmen." Das sei schon rein rechtlich nicht möglich.
Stattdessen sollen frische Mittel vom Staat fließen. "Wir prüfen auch, ob es sinnvoll und möglich ist, eine direkte Eigenkapitalunterstützung zu nehmen", sagt der WestLB-Chef. Die Kernkapitalquote der drittgrößten Landesbank liegt bei mageren 6,4 Prozent.
Hilgert sieht dramatische Veränderungen auf die hiesigen Landesbanken zukommen. "Jeder weiß, dass es so nicht weitergeht", sagt er. Alle müssten "vollkommen neu denken".
Die WestLB will sich deshalb in zwei Teile aufsplitten. Ihr internationales Finanzierungs- und Kapitalmarktgeschäft soll an die Deka Bank verkauft werden. Die Verhandlungen laufen bereits. Die restlichen Teile der Bank könnten in eine Fusion mit einer anderen Landesbank eingebracht werden.

DER SPIEGEL 44/2008
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