27.10.2008

VERLAGE„Literarischer Begleiter der Berliner Republik“

Der neue Besitzer des Aufbau-Verlags, Matthias Koch, 64, über sein Konzept für den ehemaligen DDR-Renommier-Verlag
SPIEGEL: Warum will ein Unternehmer, der bisher Geld mit Immobilien verdient hat, Verleger werden?
Koch: Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit guten Büchern Geld verdienen kann. Und davon hat der Aufbau-Verlag reichlich.
SPIEGEL: Trotzdem war der Verlag in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Was hat Ihr Vorgänger Bernd F. Lunkewitz falsch gemacht?
Koch: Wohl wegen der Rechtsunsicherheit war zu wenig Kapital da, wichtige Autoren sind abgesprungen, weil sie nicht oder nur sehr schleppend bezahlt wurden. Ich habe allein gegenüber Autoren Schulden in Höhe von über einer Million Euro vorgefunden. Die haben wir jetzt über den Insolvenzverwalter als Erstes beglichen.
SPIEGEL: Einzelne Autoren zu halten ist noch kein verlegerisches Konzept. Was muss sich beim Aufbau-Verlag ändern?
Koch: Wir müssen unser Angebot erweitern. Wir sind sehr gut sortiert bei anspruchsvollen Kriminalromanen oder historischen Themen; DDR- und Emigrantenliteratur sind ebenfalls unsere Stärken. Junge deutsche Autoren, die gesellschaftliche Prozesse der Gegenwart literarisch verarbeiten, haben wir noch zu wenige. Der Aufbau-Verlag muss zum kulturpolitischen Forum werden, das gesellschaftspolitische Diskussionen anstößt. Und das nicht nur über das Verlagsprogramm.
SPIEGEL: Was meinen Sie damit?
Koch: Wir werden viel mehr öffentliche Veranstaltungen machen. Dabei werden wir unsere Autoren präsentieren und Themen aufgreifen, die der Aufbau-Verlag für gesellschaftlich relevant hält - etwa das große Thema Migration und das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Deutschland. Der Aufbau-Verlag soll als der literarische Begleiter der Berliner Republik wahrgenommen werden.
SPIEGEL: Wollen Sie deshalb professionelle Polit-Talker wie Michel Friedman noch stärker als bisher an den Verlag binden?
Koch: Unser Autor Michel Friedman spielt für unseren Sachbuchbereich als Berater eine wichtige Rolle und tritt bei Veranstaltungen des Verlags auf. Es ist für den Aufbau-Verlag ein Gewinn, dass er als streitbarer Moderator einer großen Öffentlichkeit ein Begriff ist.

DER SPIEGEL 44/2008
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