27.10.2008

STÄDTEUnternehmen Größenwahn

Zeitlebens pflegte Hitler eine besondere Beziehung zu Linz, der Industriestadt in Oberösterreich: Hier wuchs er auf, hier wurde er politisch sozialisiert, entdeckte seine Vorliebe für Richard Wagner, gab sich dem Zeichnen und Malen hin. Und hier wollte er sich zur Ruhe setzen. Gigantisch waren daher die Pläne, die er ausarbeiten ließ: An der Donau sollten die Verwaltungszentren der Stadt, des Gaus und der NSDAP zusammengelegt werden. Eine riesige Festhalle und ein 160 Meter langes Hotel sollten entstehen. Noch im Berliner Führerbunker, kurz vor Kriegsende, saß Hitler, fasziniert von den eigenen Phantasmen, vor einem Modell der Stadt. Linz, Europas Kulturhauptstadt 2009, präsentiert nun eine Schau über seine braune Vergangenheit: Mit ihr wagen die Macher um den Schweizer Intendanten Martin Heller eine Auseinandersetzung mit der "Kulturhauptstadt des Führers" - so der Titel. Im Schlossmuseum werden bis März die Auswirkungen der Nazi-Politik auf das Kulturleben in Oberösterreich dokumentiert. Gastgeberin Europas zu sein, so Heller, bedeute, die kulturpolitische Dimension dieser Rolle auch da ernst zu nehmen, "wo es weh tut".

DER SPIEGEL 44/2008
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