27.10.2008

GESTORBENSchwester Emmanuelle

Schwester Emmanuelle , 99. Die kleine Ordensfrau mit der großen Brille und den schwarzen Turnschuhen galt in Frankreich schon zu Lebzeiten als Nationalheilige. Geboren als Madeleine Cinquin in Brüssel, schloss sich die Tochter eines wohlhabenden Industriellen 1929 den Ordensschwestern "Unserer Lieben Frau von Sion" an und unterrichtete Literatur und Philosophie in Mädchenschulen in der Türkei, Tunesien und Ägypten, bis sie mit 62 Jahren ein neues Leben begann: Sie zog in die Slums von Kairo, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Über 20 Jahre lang bemühte sich die "Mutter der Müllmenschen" in den Elendsvierteln um Schulbildung, organisierte Medikamente und half beim Aufbau von Kindergärten. Schwester Emmanuelle setzte sich als treue und zuweilen rebellische Gottesdienerin gegen den Zölibat und für die Rechte der Frauen ein. Sie erklärte Papst Johannes Paul II. einmal in einem Brief die Nützlichkeit der Antibabypille im Kampf gegen die Armut. In ihren postum erscheinenden Memoiren "Confessions d'une religieuse" ("Bekenntnisse einer Ordensfrau") schildert sie unverblümt und offen ihre Passionen und Versuchungen. Schwester Emmanuelle starb am 20. Oktober im südfranzösischen Callian.

DER SPIEGEL 44/2008
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GESTORBEN:
Schwester Emmanuelle

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