24.11.2008

PROZESSE„Vermeintliche Siege“

Theo Zwanziger, 63, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), über den Vorwurf eines Sportjournalisten, er sei ein „Demagoge“
SPIEGEL: Der Journalist Jens Weinreich hat Sie, als Sie die Rolle des Kartellamts bei der Fußballvermarktung kritisierten, in einem Blog als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet. Sie wollten per einstweiliger Verfügung eine Unterlassungserklärung dagegen erwirken und haben zweimal vor Gericht verloren. Warum geben Sie nicht Ruhe?
Zwanziger: Es ist falsch, von einer Niederlage zu sprechen, schließlich war es nicht das Hauptsacheverfahren. In einer einstweiligen Verfügung wird der Sachverhalt nicht umfassend gewürdigt, der Anlass nicht sauber herausgearbeitet.
SPIEGEL: Sie haben auf das Hauptsacheverfahren verzichtet, nachdem beide Instanzen klargestellt hatten, dass keine Verunglimpfung vorliegt. Demagoge muss nicht, wie von Ihnen behauptet, als Volksverhetzer übersetzt werden.
Zwanziger: Ich räume ein, dass ich den Begriff sehr belastet sehe. Dann wurde ich nach Abschluss des Verfügungsverfahrens und noch vor Einreichen der Klage auf einen weiteren Blog-Eintrag von Herrn Weinreich aufmerksam gemacht, in dem er klarstellt, den Begriff nicht so gemeint zu haben, wie ich es sehe, nämlich belastet aus der Zeit des Nationalsozialismus. Daraufhin haben wir die Klage nicht eingereicht. Der juristische Teil der Auseinandersetzung war für mich damit beendet.
SPIEGEL: Sie machen trotzdem weiter. In einer Presseerklärung missbilligen Sie die "Diffamierung" durch Weinreich und behaupten, er habe ein Fehlverhalten eingestanden. Weinreich empfindet das als Angriff auf seine Reputation. Musste diese Provokation sein, ist sie nicht demagogisch im Sinne von: agitatorisch?
Zwanziger: Herr Weinreich macht ja auch alles öffentlich. Er hat in den Blogs die vermeintlichen Siege groß gefeiert. Es wird immer von Pressefreiheit geredet, aber gilt für den DFB keine Meinungsfreiheit? Die Presseerklärung hat Herrn Weinreichs Angriffe deutlich zurückgewiesen. Warum ist er jetzt so empfindlich?

DER SPIEGEL 48/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 48/2008
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

PROZESSE:
„Vermeintliche Siege“

  • Folgen des Brexit: Wie die Eliteuni Cambridge jetzt schon leidet
  • Viktoriafälle in Simbabwe und Sambia: "Es ist die längste Trockenzeit, die wir jemals hatten"
  • 73-jährige rennt von England bis Nepal: 10.000 Kilometer - allein und zu Fuß
  • Demokratiebewegung: Zehntausende gehen in Hongkong auf die Straße