24.11.2008

ISLANDAutobahn der Gier

Die Finanzkrise, die Island an den Rand des Staatsbankrotts brachte, führt nun zu politischen Auseinandersetzungen. Bei Massenaufmärschen, die für das kleine Inselreich im Nordatlantik ungewöhnlich sind, forderten Demonstranten den Rücktritt der Regierung und einen Richtungswechsel: Island soll Mitglied der Europäischen Union werden und den Euro als Währung einführen. Die neue Protestbewegung wird von prominenten Schriftstellern wie Kristin Helga Gunnarsdottir angeführt. "Die Regierung saß am Steuer eines Busses ohne Bremsen und fuhr mit Vollgas auf der Autobahn der Gier", sagt sie. An der Wut ändern auch die bewilligten Kredite des Internationalen Währungsfonds wenig, die Banken und private Einlagen von Hunderttausenden Sparern aus ganz Europa retten sollen.
Die konservative Unabhängigkeitspartei von Premier Geir Haarde, die seit über 20 Jahren das Land regiert, stürzt in Umfragen ab, der sozialdemokratische Koalitionspartner dagegen steigt mit seiner Pro-EU-Haltung auf. 90 Prozent der Isländer fordern laut einer Umfrage zudem den Rücktritt von Notenbank-Chef David Oddsson. "König Dabbi" war zuvor 13 Jahre lang Ministerpräsident und gehörte zu den hartnäckigsten Gegnern eines EU-Beitritts. Damals ging es Island mit seinen reichen Fischbeständen und dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt allerdings noch gut.

DER SPIEGEL 48/2008
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