24.11.2008

TSCHECHISCHE REPUBLIKRechter Aufmarsch

Mit Gummiknüppeln und Schilden stellten sich 1300 Polizisten im nordböhmischen Litvínov rund 600 Rechtsradikalen in den Weg. Daraus entstand eine wüste Prügelei, die in Tschechien für Aufregung sorgt. Bislang trieben die Neonazis ihr Unwesen weitgehend unbeachtet und ohne Straßenschlachten mit den Ordnungskräften. Ultrarechte Parteien, die sich unter anderem auf Skinheads stützen, erreichten in Wahlen und Umfragen kaum messbare Werte. Die politischen Verhältnisse in Tschechien sind damit anders als in den Nachbarstaaten: In der Slowakei beispielsweise sitzt die rechtsradikale Nationalpartei unter ihrem Vorsitzenden Ján Slota sogar in der Regierung. In Ungarn wiederum werden die Extremisten von der größten Oppositionspartei unter Viktor Orbán umworben. Die tschechischen Ultrarechten pflegen Kontakte mit der deutschen NPD, nach deren Vorbild haben sie sich für Skinheads von der Straße geöffnet und Wahlbündnisse geschlossen. Ihre Ressentiments richten sich vor allem gegen die Roma im Land. Die Mehrheit der tschechischen Roma, etwa eine Viertelmillion Menschen, lebt in ghettoartigen Vierteln am Rande der Städte. Etwa 80 Prozent von ihnen sind arbeitslos, die Hälfte der Romakinder besuchen Sonderschulen - ein ideales Feindbild. Die Nationale Partei schwadroniert nun über die "Endlösung der Zigeunerfrage", sie fordert, die Minderheit nach Indien umzusiedeln.

DER SPIEGEL 48/2008
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TSCHECHISCHE REPUBLIK:
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