24.11.2008

GESTORBENBoris Fjodorow

Boris Fjodorow , 50. Über dem Schreibtisch in seinem Moskauer Investmentfonds-Büro hing viele Jahre ein Porträt des zaristischen Wirtschaftsreformers Pjotr Stolypin. So sah sich Fjodorow, unter Russlands erstem demokratischem Präsidenten Boris Jelzin zum Finanzminister und Vizepremier aufgestiegen, gern selbst: als "liberalen Patrioten", der für die Modernisierung seines Landes kämpft. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler strahlte stets so viel Energie aus, dass es niemanden überraschte, wie vehement er sich seit 2000 als Vertreter der Minderheitsaktionäre mit dem heute wieder staatlichen Energieriesen Gazprom anlegte. Fjodorow war aber auch ein Pragmatiker, der ausländischen Unternehmern mit trockenem Humor empfahl, sich nicht allzu sehr über die in Russland wuchernde Korruption aufzuregen: "Betrachten Sie das einfach als eine Art zusätzliche Steuer. Die offiziellen Steuern sind doch bei uns wirklich niedrig." Boris Fjodorow starb am 19. November in London an einem Schlaganfall.

DER SPIEGEL 48/2008
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