01.12.2008

MUSICALOh, großer Manitu!

Die deutsche Musicalbranche spielte jahrelang amerikanische Disney-Seligkeit nach, Erfolgsstücke wie "Die Schöne und das Biest", "Der Glöckner von Notre Dame" und "Der König der Löwen". Nun erwacht der Wunsch nach Emanzipation von US-Traditionen: Stage Entertainment, der Marktführer auf dem deutschen Musicalmarkt, setzt neuerdings auf Eigenproduktionen. Mit einer Bühnenfassung des Kinohits "Der Schuh des Manitu" investiert die Hamburger Firma in heimatlichen Witz und Klamauk. Die Westernparodie nach der Vorlage von Michael "Bully" Herbig (Musik: Martin Lingnau) feiert am kommenden Sonntag im Ber-liner Theater des Westens Premiere. Mit den Schlüsselszenen des Films, 20 neuen Songs und einem Script des Autors John von Düffel geht der "Schuh" an den Start. Statt Herbig schlüpft der Komiker Mathias Schlung ("Die Dreisten Drei") ins Apachenkostüm, um in Ermangelung eines Kriegsbeils den Klappstuhl auszugraben. "Wir wollen nicht mehr bloß reproduzieren", sagt Johannes Mock-O'Hara, Geschäftsführer von Stage Entertainment Deutschland. Mit dem Erfolg des Udo-Jürgens-Musicals "Ich war noch niemals in New York" und des Neue-Deutsche-Welle-Stücks "Ich will Spaß" war das Unternehmen zufrieden.
Am Broadway beobachtet man die Entwicklung skeptisch bis neugierig. An eine Übernahme deutscher Musicals wird bisher nicht gedacht: Ob sich Humor à la Herbig auf der anderen Seite des Atlantiks als bühnentauglich erweisen würde, ist fraglich. "Der Schuh des Manitu", hierzulande der erfolgreichste deutsche Film seit 1945, wurde in den USA lediglich auf Filmfestivals gezeigt. Autor von Düffel glaubt auch zu wissen, warum: "Zu viele Indianer-Witze."

DER SPIEGEL 49/2008
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