26.01.2009

KONGOAllianz von Feinden

Neue Fronten in einem alten Krieg: In Kenia feilschten Unterhändler der kongolesischen Regierung und des rebellischen Tutsi-Generals Laurent Nkunda um einen Waffenstillstand im Ostkongo, da schloss Kongos Präsident Joseph Kabila einen heimlichen Bund mit seinem ruandischen Kollegen und bisherigen Gegner Paul Kagame. Beide verbündeten sich gegen die Hutu-Milizen, die immer noch im Osten des Kongo marodieren. Mehrere tausend ruandische Soldaten rückten vergangene Woche in den Kongo ein. Ihr Ziel waren jedoch nicht nur die Milizen. Sie stoppten auch den Warlord Nkunda und riefen seinen Stabschef Bosco Ntaganda, der vor kurzem mit ihm gebrochen hatte, zum neuen starken Mann der Tutsi-Bewegung CNDP aus. Andere Rebellen, die plötzlich nicht mehr wussten, wer Freund und wer Feind war, kündigten daraufhin einen Waffenstillstand an. Sie wollen sich nun der kongolesischen Armee anschließen.
Nkunda, der nicht aufgeben wollte, wurde schließlich auf der Flucht nach Ruanda verhaftet - von ebenjenen Ruandern, die ihn jahrelang unterstützten und ihn jederzeit die Grenze passieren ließen. Ruandas Kehrtwende verblüfft die meisten Akteure in diesem Konflikt, der seit 1998 vier bis fünf Millionen Tote gefordert hat. Auch die Kongo-Blauhelm-Truppe der Vereinten Nationen (Monuc) hatte nichts von den Geheimverhandlungen erfahren, ebenso wenig der von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon entsandte nigerianische Sonderbotschafter Olusegun Obasanjo. "Wir wissen nicht, was die Ruander wirklich wollen", sagte Monuc-Sprecher Jean-Paul Dietrich. In jedem Falle sind die Soldaten aus dem Nachbarland die Gewinner des Deals. Und so werden sie auch den Zeitpunkt bestimmen, zu dem sie den Kongo verlassen.
Dass mit der Operation nun Frieden in der Region einkehrt, ist unwahrscheinlich. Voraussetzung dafür wäre beispielsweise, dass die regulären Soldaten der kongolesischen Armee künftig ausreichend und regelmäßig bezahlt werden. Aber wovon? Auch Nkundas Armee, bislang eine der stärksten im Kriegsgebiet, wird nicht einfach verschwinden. Am vergangenen Donnerstag wurden in Rutshuru Nkunda-Milizionäre beobachtet, wie sie ihre Bündel packten und sich erst einmal in den Busch zurückzogen.

DER SPIEGEL 5/2009
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