16.03.2009

MUSICALSZweiter Frühling

Dem deutschen Dichter Frank Wedekind hätte es vermutlich ziemlich gut gefallen, dass sein düsteres Pubertätsdrama "Frühlings Erwachen" hundert Jahre nach seiner Uraufführung 1906 zum Broadway-Heuler umgekrempelt wurde - schließlich war Wedekind einst selbst wegen seiner Respektlosigkeit und Freude an der Provokation verschrien. "Spring Awakening" war, mit acht Tony-Auszeichnungen, der größte Abräumer der New Yorker Bühnensaison 2006/07: Der Stoff um eine Jugendclique, deren Angehörige an ihrer aufkeimenden Sexualität und der repressiven Moral ihrer Eltern leiden, wird in der Fassung von Duncan Sheik (Musik), Steven Sater (Songtexte), Bill T. Jones (Choreografie) und Michael Mayer (Regie) konsequent als Rock-Show offeriert. Nun kommt das Stück, realisiert von dem New Yorker Broadway-Team, als deutschsprachige Erstaufführung am 21. März im Wiener Ronacher Theater heraus. Wedekinds im Wilhelminismus unverschämt zeitkritisches Original mit Anspielungen auf Onanie und Homoerotik hatte damals noch für einen der saftigsten Skandale der deutschen Theatergeschichte gesorgt - "Spring Awakening" ist, immerhin, nichts weniger als gut gemachte, intelligente Unterhaltung.

DER SPIEGEL 12/2009
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MUSICALS:
Zweiter Frühling

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