04.05.2009

GESTORBENBirgitta Wolf

Birgitta Wolf , 96. Das Hauptanliegen der engagierten schwedisch-deutschen Publizistin war es, wegzukommen von einem Strafrecht, das in ihren Augen die Vergeltung des Unrechts in den Mittelpunkt rückt. Sie forderte ein "Konsequenzrecht", eine der Tat angemessene Maßnahme ohne Vergeltungscharakter. Über 50 Jahre beantwortete sie 18 000 Briefe von Gefangenen und Entlassenen, ihren Familien und Rechtsanwälten und setzte sich unermüdlich für bessere Lebensbedingungen Inhaftierter ein. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit, die 1969 in dem ehrenamtlich tätigen Verein "Nothilfe Birgitta Wolf" institutionalisiert wurde, war die Prävention von Straftaten: Wolf unterstützte Jugendorganisationen und Anti-Drogen-Gruppen. Obwohl sie selbst als Gräfin von Rosen auf einem Schloss in Schweden aufwuchs, kümmerte sie sich schon als 16-Jährige um die sozialen Belange von Land- und Fabrikarbeitern. Während der Nazi-Zeit half die 1933 nach Deutschland übergesiedelte Tochter eines Ethnologen politisch und rassisch Verfolgten. Wolf war Autorin mehrerer Schriften zum Strafvollzug in Deutschland. 1974 protestierte sie durch einen Hungerstreik gegen die Isolationshaft der RAF. Birgitta Wolf starb am 25. April in Murnau am Staffelsee.

DER SPIEGEL 19/2009
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