24.08.2009

HONDURASLiberales Mitgefühl

Das Verständnis der deutschen Freidemokraten für die Putschisten in Mittelamerika löst erhebliches Befremden aus. Während EU, Uno und die USA die gewaltsame Absetzung von Präsident Manuel Zelaya Ende Juni einhellig verurteilten, nahm in Deutschland die FDP die Umstürzler in Schutz. Das rief jetzt den honduranischen Botschafter in Berlin, Roberto Martínez Castañeda, auf den Plan. In einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel wirft er den Liberalen vor, die Machthaber "mit deutschen Steuergeldern" zu unterstützen.
Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hatte Unterstützer des Regimes nach Berlin eingeladen. Der Naumann-Chef und ehemalige FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt verteidigt dies mit dem Hinweis, in Honduras seien nicht einfach "die einen gut und die anderen böse". Nach Ansicht des FDP-Außenpolitikers Werner Hoyer sei der Umsturz in Honduras kein "klassischer Putsch", sondern ein "Verfassungskonflikt, mit dem alle Beteiligten katastrophal umgegangen" seien. Bundesregierung und EU hätten "massiv versagt, indem sie einseitig zugunsten Zelayas Partei ergriffen". Der SPD-Abgeordnete Niels Annen indes wirft den Liberalen "moralische Unterstützung der Putsch-Regierung" vor. Der Grüne Thilo Hoppe, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses, kritisiert, sie würden "einen Putsch bagatellisieren und die einheitliche Haltung der Staatengemeinschaft gefährden".

DER SPIEGEL 35/2009
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