08.09.1986

Datum: 8. September 1986 Betr.: Sinatra

Mr. Sinatra, hat Prinz Charles gesagt, sei ein "ziemlich seltsamer Mensch", er könne "schrecklich nett" sein und im nächsten Augenblick - nun, was? - "nicht mehr so nett".
Netter läßt sich nicht untertreiben, was die amerikanische Journalistin Kitty Kelley Sinatras "schizoides" Ich nennt. Ihre Biographie über Amerikas berühmtesten Entertainer, die jetzt in den USA (bei Bantam) und in Deutschland (bei Blanvalet) erscheint, enthüllt den bad boy in Frankieboy, wie er noch nie enthüllt wurde. "Gerüchte über seine Verbindung zur Mafia", immer wieder aufgewärmter Zeitungsstoff, sind nun Schnee von gestern: Der Kelley-Bericht bringt die Fakten, in Fülle. Dokumentiert wird eine Karriere im Beziehungsgeflecht von Showbusiness, Unterwelt und Politik, bei der Sinatras Hit "I do it my way" das Leitmotiv anschlägt und "His Way" (US-Buchtitel) exemplarische Schlaglichter auf den american way of life wirft, Schlagschatten noch mehr.
Frau Kelley, die für Blätter wie die "Washington Post", die "New York Times" und die "Los Angeles Times" gearbeitet hat, war vier Jahre Pressereferentin des demokratischen Senators Eugene McCarthy. Sie schrieb Biographien über Jackie Kennedy und Elizabeth Taylor, die zu Bestsellern wurden. Für das Sinatra-Buch hat sie drei Jahre recherchiert und rund 800 Kollegen, Verwandte und Bekannte des Sänger-Schauspielers befragt, Filmleute wie Politiker, Ex-Mafiosi wie Polizisten. Sinatra versuchte das Erscheinen des Buches mit einer Millionen-Dollar-Klage zu verhindern.
Der SPIEGEL beschreibt den amerikanischen Mythos Sinatra in einer Titelgeschichte (Seite 186) und druckt, exklusiv für Deutschland, Auszüge aus Kitty Kelleys Buch, das diesen Mythos zugleich entzaubert und bestätigt, als vierteilige Serie (Seite 193). Zu lesen ist da etwa, wird da sein, wie das Liebespaar Sinatra und Ava Gardner nächtens im kalifornischen Indio um sich schoß und Opfer, Zeugen und Strafverfolger zum Schweigen bestochen wurden; wie Sinatra den Senator John F. Kennedy mit Wahlspenden und Luxus-Sex versorgte und in Washington für mafiöse Interessen intervenierte; wie Präsident Lyndon B. Johnson Sinatra demütigte und wie Nancy Reagan, die er, notorisches Chauvi-Schandmaul, einst als "dumme Nuß mit dicken Knöcheln" geschmäht hatte, ihn beim Privat-Lunch im Weißen Haus "wie ein Schulmädchen" anhimmelte.
Sinatra-Biographin Kitty Kelley

DER SPIEGEL 37/1986
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DER SPIEGEL 37/1986
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