21.09.2009

SCHLEICHWERBUNGSWR setzt Haribo in Szene

In der ARD gibt es einen neuen Fall von Schleichwerbung. Die SWR-Sportsendung "Flutlicht" berichtete am 30. August von einem Golf-Benefizturnier, das unter anderen vom Süßwarenhersteller Haribo gesponsert wurde. Der knapp zehnminütige Beitrag mutet streckenweise wie ein Werbefilm an: Das Goldbären-Maskottchen spielt Golf, es werden Fußballspiele mit Gummibärchen nachgespielt, das Logo ist häufig im Hintergrund zu sehen. Auch wird im Beitrag ein alter Werbespot gezeigt - inklusive der Werbemelodie "Haribo macht Kinder froh". Zwanzigmal ist die Marke im Bild. Viermal wird der Name genannt oder gesungen. Die Benefiz-Veranstaltung wurde moderiert von Holger Wienpahl, der freier Moderator des SWR ist und sonst auch "Flutlicht" moderiert. Das hielt ihn nicht davon ab, von der gleichen Veranstaltung für "Flutlicht" ein Interview mit Franz Beckenbauer zu führen, dessen Stiftung Mitausrichter der Gala ist. Platziert vor einer Stellwand mit Werbung für die Bärchen-Marke, nutzte Beckenbauer die Gelegenheit, sich "dankbar" für das Sponsoring zu zeigen. Wienpahl selbst sagte: "Sie sind auf einer Veranstaltung von Haribo. Es ist unglaublich viel Prominenz hier. Ich habe so viele Prominente unter einem Dach noch nie erlebt." Der Golfplatz, auf dem das Turnier stattfand, gehört Firmeneigentümer Hans Riegel. Er sei von dem Bonner Unternehmen weder beauftragt worden, die Gala zu moderieren, noch von diesem honoriert worden, sagt Wienpahl. Nach SPIEGEL-Informationen engagierte ihn die Lotto-Gesellschaft Rheinland-Pfalz, ebenfalls ein Sponsor der Veranstaltung. Der Leiter der SWR-Sportredaktion Claus-Dieter Gerke erklärte, der Süßwarenhersteller habe lange vor der Sendung vorgeschlagen, die gesamte Sportsendung live vom Golfplatz zu übertragen und einen Teil der Kosten zu übernehmen. Das habe er abgelehnt. Zum Beitrag sagt Gerke: "In der Masse waren die Haribo-Elemente unhaltbar. Es gab jedoch keine Möglichkeit mehr, den Beitrag ausreichend zu ändern." Um kein Loch in der Sendung zu haben, habe er schließlich sein Okay gegeben. SWR-Chefredakteur Fritz Frey spricht von einer "klaren Grenzüberschreitung, die nicht zu akzeptieren ist. Das schadet dem Ruf des Sportjournalismus in der ganzen ARD". Direkte Konsequenzen aus dem Vorfall will Frey jedoch nicht ziehen.

DER SPIEGEL 39/2009
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SCHLEICHWERBUNG:
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