26.09.2009

COMICSDer Arche-Typ

Diesen Noah, Enkel des Methusalem, somit direkter Nachfahr des Adam (Paradies, Migrationshintergrund) - diesen Noah muss man sich etwas anders vorstellen als gewohnt. Kein würdiger Greis, kein archetypischer Grüner, dem Getier und Schöpfung nur am Herzen liegen; dieser Noah ist eher ein mürrischer Zausel. Er trägt graublaue Socken in Sandalen, dabei ist er scharf auf großbusige Blondinen aus Gomorra. Was er natürlich nicht zugibt (wegen des Herrn), weshalb er bald zum religiösen Fanatiker und Ehrbarkeits-Puschel wird, wider die Verderbnis, pro Sintflut. Mit einem Wort: eine Ralf-König-Figur, knollennasig und rabiat komisch. Der Kölner Comic-Zeichner, seinerseits künstlerischer Nachfahr von Crumb und Claire Bretécher, hat sich von Milieustudien und schwulem Alltag erfolgreich verabschiedet. Dafür macht er gleichsam gezeichnete Historienfilme und schreckt auch vor Bibelstoffen nicht zurück. Nach dem schöpfungsgeschichtlichen "Prototyp" ist dies die etwas andere Noah-Geschichte - die Story eines Eiferers, der von Gott, dessen Stimme übrigens eindrucksvoll in Frakturschrift vom oberen Bildrand ertönt, zu einem halbwegs toleranten Zeitgenossen erzogen wird. Nicht gleich die ganze Menschheit, sondern ein Einzelner muss dran glauben - und auch der wird gerettet. Und siehe, es ist sehr gut, denn es ist lustig.
Ralf König: "Archetyp". Rowohlt-Verlag, Reinbek; 144 Seiten; 16,90 Euro.

DER SPIEGEL 40/2009
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