26.09.2009

JEMENSchiiten beklagen Unterdrückung

Mit einem massiven Einsatz von Militär im Norden bringt Jemens Regierung die Schiiten des gesamten Nahen Ostens gegen sich auf. Mehrere hundert Menschen sind in den letzten Wochen bei den Kämpfen mit schiitischen Huthi-Rebellen ums Leben gekommen, allein 76 bei Schießereien am vergangenen Dienstag. Zehntausende sind auf der Flucht. "Was im Jemen passiert, ist sehr schmerzvoll", beklagte Hassan Nasrallah, Chef der libanesischen Hisbollah, jetzt in einer Rede. "Ich rufe Präsident Ali Abdullah Salih auf, einen Waffenstillstand anzuordnen." Nasrallah reiht sich damit ein in eine mächtige Riege von Schiitenführern, die sich mit den Rebellen im Nordjemen solidarisieren. Seit Wochen wirft Irans einflussreicher arabischsprachiger Auslandssender al-Alam Jemens Regierung vor, einen Glaubenskrieg zu führen. Jetzt bot sich der irakische Schiitenführer Muktada al-Sadr als Vermittler an, was Präsident Salih empört zurückwies. Er bezichtigte vor allem die schiitische Großmacht Iran - wo Sadr im Exil lebt - der Zusammenarbeit mit den Rebellen. Sollten iranische Kreise noch offene Rechnungen haben - mit den Amerikanern, mit Saudi-Arabien oder mit einzelnen Golfstaaten -, dann sollten sie deshalb kein jemenitisches Blut vergießen, sagte der Präsident dem Satellitenkanal al-Dschasira. Nachrichtendienste in Kairo, Khartum und Beirut beschuldigen Iran seit langem, militante Bewegungen in der arabischen Welt mit Waffen zu versorgen. Ob das auch für den Jemen zutrifft, ist bislang aber nicht bewiesen. Schiitische Politiker würden den Konflikt im Jemen missbrauchen, um sich zu profilieren, glaubt dagegen die Jemen-Expertin Nicole Stracke vom Gulf Research Center in Dubai.

DER SPIEGEL 40/2009
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