26.09.2009

FRANKREICHGeheimdienst fürchtet Sozialkonflikte

Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise droht Frankreichs Unternehmen ein heißer Herbst: Nach einer Darstellung des Nachrichtendienstes SDIG für Innenminister Brice Hortefeux könnten der Republik eine Serie von Gewalttaten gegen Firmenbosse und spektakuläre Aktionen bevorstehen - wie etwa Fabrikbesetzungen oder Erpressungsversuche mit Sprengstoff. Die Spezialisten der Inlandsaufklärung sehen das explosive Konfliktpotential in der hohen Zahl von Sozialplänen, die im Frühjahr vereinbart wurden und jetzt abgewickelt werden müssen. Aufgebracht durch Massenentlassungen, waren Frankreichs Arbeitnehmer seit Februar bereits mehr als 30-mal auf die Barrikaden gegangen und hatten Manager in ihren Büros eingesperrt - so etwa beim Mischkonzern 3M im zentralfranzösischen Phithiviers oder bei Caterpillar in Grenoble. Trotz deutlicher Kritik von Präsident Nicolas Sarkozy - "Wir sind ein Rechtsstaat, ich werde so etwas nicht zulassen" - hielten die Angestellten der Elektronikfirma Molex im südfranzösischen Villemur-sur-Tarn zwei Führungskräfte fast 30 Stunden gegen ihren Willen fest. Mit weiterer Radikalisierung der Arbeitnehmer erwarten die Geheimdienste obendrein eine Zunahme von Sprengstoffdrohungen: Beim Telekommunikationsmulti Nortel unweit von Paris oder beim Autozulieferer New Fabris in Châtellerault bei Poitiers hatten gefeuerte Angestellte mit der Explosion von Gasflaschen gedroht - und damit für landesweite Aufmerksamkeit gesorgt.

DER SPIEGEL 40/2009
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