26.09.2009

FUSSBALL„Meister der Mimik“

Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel, 45, über die Körpersprache der Referees im Fußball
SPIEGEL: Herr Fandel, Sie werden nach dem Ende der Hinrunde die Bundesligaschiedsrichter in Persönlichkeit, Körpersprache und Außenwirkung schulen. Warum ist das nötig?
Fandel: Das ist schon lange mein Lieblingsthema, denn wir Schiedsrichter sollten Sicherheit und Souveränität ausstrahlen. Unsere Körpersprache kann den Zuschauern im Stadion und vor dem Fernseher außerdem erklären, was man entschieden hat.
SPIEGEL: Was sind klassische Fehler?
Fandel: Wer in Brandherde des Spiels mit hektischen Gesten geht, gießt nur unnötig Öl ins Feuer. Ich selbst habe im Laufe meiner Karriere viel an meinem Auftreten gearbeitet. Mein Problem waren die Arme, mit denen ich anfangs oft wild in der Luft herumwedelte. So etwas wirkt mitunter theatralisch.
SPIEGEL: Das Publikum ist verärgert, wenn Unparteiische zu herrisch auftreten. Ist das für Sie ebenfalls ein Thema?
Fandel: Der Vorwurf von Arroganz ist bei Führungsarbeit immer schnell bei der Hand. Deshalb muss man verhindern, mit seinem Auftreten das Vorurteil noch zu verstärken.
SPIEGEL: Gibt es auch eine zu defensive Körpersprache?
Fandel: Ja, wenn Schiedsrichter nur urteilen, ohne das durch ihr Auftreten zu unterstreichen.
SPIEGEL: Sie werden Ihren Kollegen Videobeispiele zeigen. Gibt es einen Schiedsrichter, der stets vorbildlich ist?
Fandel: Pierluigi Collina hat das perfekt gemacht. Er war ein Meister der Mimik und Gestik, der beste Schiedsrichter der letzten 30 Jahre.

DER SPIEGEL 40/2009
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