19.10.2009

AFFÄRENDer Sündenfall

Das Bundeskriminalamt ermittelte eineinhalb Jahre gegen Jan Ullrich. Die Fahnder trugen erdrückende Beweise zusammen. Für sie gibt es keinen Zweifel: Ullrich hat gedopt. Die Justiz behandelte ihn milde, doch seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein.
Am Tag der Deutschen Einheit ist der Radzirkus in Ditzingen in der Nähe von Stuttgart angekommen. Im Stadtteil Heimerdingen warten knapp 300 Teilnehmer auf den Start des Lila Logistik Charity Bike Cup.
Es ist ein Freizeitrennen für einen guten Zweck, an dem auch Prominente teilnehmen. Bier- und Bratwurstbuden sind aufgebaut, die Sonne scheint. Vor der Turnhalle des TSV Heimerdingen präsentieren sich der ehemalige Radheld Rudi Altig und der aktive Profiradler Danilo Hondo. Doch die Fans interessieren sich nicht für die beiden.
Ein Mann mit fülligen Wangen schiebt ein Fahrrad in den Farben Schwarz und Gold durch die Menge. Jan Ullrich, Startnummer 650, eingeschrieben in der Klasse Senioren I, ist auf der Suche nach seinem Team, mit dem er hier gleich auf die 60-Kilometer-Schleife gehen soll. Autogrammjäger drängeln sich um ihn, er kommt kaum voran.
Ullrich startete schon voriges Jahr bei dem Charity Cup. Das Publikum hier begegnet ihm unvoreingenommen, Ullrich hat noch viele Fans in der Region.
Er kämpft sich vor zur Startlinie. Chearleader in kurzen Röckchen wedeln mit bunten Puscheln. "Heute darf es auch ein wenig gemütlicher zugehen", sagt der Rennmoderator. Ullrich grinst. Er mag es gemütlich. "Schön Kaffee trinken" und "Schwätzchen halten", das habe er sich für heute vorgenommen.
Da taucht ein Fernsehteam der ARD auf. Ein Reporter hält Ullrich ein Mikrofon vors Gesicht und stellt Fragen über Doping. Für einen Moment öffnet sich ein Fenster in eine Welt, die nicht zu diesem schwäbischen Sportidyll mit Hüpfburg und Kinder-Malwettbewerb passt.
Ullrich guckt irritiert. Aber er hat einen Satz für solche Situationen: "Ich habe zu diesem Thema alles gesagt." Dann verschwindet er in einem Pulk von Fans.
Es gibt eine Vorgeschichte zum Verhältnis der ARD zu Jan Ullrich. Sie spielt in einer Zeit, als der Sender den Radler nicht jagte, sondern ihn hofierte und viel Geld dafür bezahlte, dass er exklusive Interviews gab. Von 2002 bis Juni 2006 stellte Ullrich den Öffentlich-Rechtlichen dafür 790 912,22 Euro in Rechnung.
Es ist nur eine kleine Episode aus dem Universum des Jan Ullrich. Die Zahlen entstammen den bislang unter Verschluss gehaltenen Dokumenten der Einsatzgruppe Doping in der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA), die vor drei Jahren Ermittlungen gegen den Radhelden aufgenommen hat. Es ist ein gewaltiges Werk, das auf 2219 Seiten in sechs Bänden eine Ikone entzaubert - und jene, die ihn aufgebaut haben.
Jan Ullrich war eine Märchenfigur des deutschen Sports. 1997 gewann er die Tour de France, danach schmissen sich Journalisten, Politiker und Wirtschaftsführer an ihn heran und machten aus dem gebürtigen Rostocker einen Volksbeglücker. Er unterhielt die Fans mit seinem epischen Kampf gegen den Amerikaner Lance Armstrong. Das Publikum liebte ihn und litt mit ihm, wenn er Pässe wie den Col du Tourmalet hochstrampelte.
Seine Karriere, die mit einer Siegerehrung auf den Champs-Elysées in Paris begonnen hatte, endete mit einem Skandal in einem Hotel im elsässischen Blaesheim. Am 30. Juni 2006 wurde Ullrich dort wegen immer neuer Doping-Anschuldigungen vom Team T-Mobile suspendiert.
Den Radstar Ullrich gibt es seitdem nicht mehr. Doch der Fall Ullrich ist bis heute nicht erledigt.
Niemals zuvor wurde in Deutschland so intensiv gegen einen dopingverdächtigen Sportler ermittelt. Britta Bannenberg, damals Professorin für Kriminologie und Strafrecht in Bielefeld, hatte die Untersuchungen ins Rollen gebracht, weil sie den Radprofi am 17. Juli 2006 bei der Bonner Staatsanwaltschaft wegen Verdachts des Betrugs zum Nachteil von T-Mobile angezeigt hatte. Der Vorgang bekam das Aktenzeichen 430 Js 936/06.
Die BKA-Beamten, die Mitte August 2006 die Ermittlungen übernahmen, verfolgten eineinhalb Jahre lang jede Spur. Sie durchkämmten Privat- und Geschäftsräume in Deutschland, Belgien und in der Schweiz, sie machten gelöschte Dokumente auf beschlagnahmten Computern wieder lesbar, überprüften Telefonverbindungen und erstellten "Bewegungsbilder" der Beschuldigten; sie schalteten Wissenschaftler ein, die Blut- und Speichelproben analysierten; sie erwirkten bei ausländischen Kreditinstituten die Preisgabe von Kontodaten, um auffälligen Geldströmen nachzuspüren; sie stellten Rechtshilfeersuchen an europäische Staaten, unter anderem an Spanien, um Ullrichs Verbindung zum Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes aufzuklären.
Am 8. November 2007 schrieb eine führende Ermittlerin in Wiesbaden einen Vermerk, in dem sie die Beweiskette gegen Ullrich aufführte: die heimlichen Flüge des Radprofis nach Madrid, seine Besuche bei Fuentes, seine Überweisungen an Fuentes, sein Blut bei Fuentes, seine Medikationspläne bei Fuentes.
Im letzten Absatz heißt es: "Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der Beschuldigte Ullrich das Dopingsystem des spanischen Arztes Dr. Fuentes nutzte, um sich vertragswidrig mit leistungssteigernden Mitteln und Methoden auf seine Wettkämpfe vorzubereiten."
Das ist die Wahrheit über Jan Ullrich, so wie sie in den Akten steht. Es ist ein einziger Satz, der die Scheinwelt, die Ullrich der Öffentlichkeit bis heute vormacht, zerschmettert.
Jan Ullrich wuchs in der Gemeinde Papendorf bei Rostock auf. Seine Eltern trennten sich früh, Ersatzväter suchte er sich schon bald im Sport. In der DDR blieben Talente wie Ullrich nicht unentdeckt. Er war 13, da wurde er bereits in die Kinder- und Jugendsportschule des SC Dynamo Berlin delegiert. 1988 gewann er die B-Jugendmeisterschaft der DDR mit über zwei Minuten Vorsprung.
Nach der Wende ging Ullrich nach Hamburg, wo ein Gebrauchtwagenhändler ein Radteam finanzierte. Dieser Wolfgang Strohband sei es gewesen, erzählte Ullrich später, der "meine erste Steuererklärung ausfüllte, mir mein erstes Auto besorgte und mich in die westliche Welt des Radsports einführte". Mit 19 Jahren gewann Ullrich die Weltmeisterschaft der Amateure, ein Jahr später unterschrieb der junge Kerl mit den roten Bäckchen beim Team Telekom seinen ersten Profivertrag.
In der Bilderflut des elektronischen Zeitalters ist Unverwechselbarkeit ein hohes Gut geworden, jeder Schauspieler, jeder Politiker, jeder Rockmusiker kämpft darum, als einzigartig wahrgenommen zu werden. Jan Ullrich wurde eine Marke, als er 1997 die Tour de France mit über neun Minuten Vorsprung gewann - als erster Deutscher.
Wenn er durch Frankreich radelte, waren die Quoten phänomenal. "Gib Gas, Jan!", schrieb die "Bild"-Zeitung, und wer im Fernsehen verpasst hatte, wie Ullrich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Alpenpässe hochkletterte, galt als Außenseiter.
Viele profitierten von Ulle, wie ihn seine Sportkameraden nannten - besonders profitierte sein Sponsor. Jürgen Kindervater, der damalige Kommunikationsdirektor der Deutschen Telekom, war noch Jahre später begeistert: "Der Radsport war eine der herausragendsten Marketingmaßnahmen in Deutschland überhaupt mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis."
Doch schon Mitte der neunziger Jahre gab es zwei Welten: die öffentliche der Siege und die geheime der Spritzen. In drei Vernehmungen, die zusammen rund acht Stunden dauerten, erzählte der belgische Pfleger Jef D'hont den BKA-Beamten im Sommer 2007 die wahren Gründe für den Aufstieg des deutschen Radteams. Epo war die Wunderdroge. Für die Fahrer um Jan Ullrich, so D'hont, gab es keine Alternative, in einer durch und durch verseuchten Sportart gehörte die Manipulation dazu.
Ullrich wurde zum König dieser verlogenen Welt. Politiker und Berühmtheiten scharten sich um den schüchternen Mann aus Mecklenburg-Vorpommern.
Wie keine zweite Mannschaft positionierten sich die Deutschen damals als Team der Saubermänner. Die Telekom schaltete ganzseitige Anzeigen in Zeitungen: "Saubere Leistung. Danke." Nach außen verkörperte Jan Ullrich den deutschen Habitus in Idealform, wie der Soziologe Bero Rigauer schrieb: "Hart arbeiten, ehrlich und gradlinig sein."
Daran sollte niemand kratzen. Als 1999 Zweifel an Ullrichs Sauberkeit aufkamen und der SPIEGEL erstmals über das systematische Doping im Team Telekom berichtete, bekämpfte der Konzern die Veröffentlichung mit allen Mitteln. Das Magazin verlor einen Rechtsstreit, nachdem Ullrich, Teamchef Walter Godefroot und der Freiburger Sportmediziner Joseph Keul eidesstattliche Versicherungen vorgelegt hatten. Ullrich schrieb in einer Gegendarstellung: "Ich habe noch nie Epo gespritzt und auch sonst zu keinem Zeitpunkt gedopt."
Es war, wie die Ermittler heute wissen, eine Lüge. Die Strafverfolger hätten schon damals den Betrug aufdecken können, wenn sie gewollt hätten.
Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke hatte die Zustände im Team Telekom bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf angezeigt, doch die war an Aufklärung nicht sonderlich interessiert und stellte das Verfahren schließlich ohne Ergebnis ein. So konnte das Team der Telekom weiter dopen - bis Jan Ullrich im Sommer 2006 als einer der Hauptdarsteller in der Affäre um den spanischen Dopingarzt Fuentes enttarnt wurde.
Ullrich war offenbar ein guter Fuentes-Kunde. Dies belegen die Ermittlungen des BKA, das in den Unterlagen aus Spanien fünf mögliche Bezeichnungen und Pseudonyme für Ullrich fand: "Alemán", "Nibelungo", "Jan", "1" oder "Hijo Rudicio", der Sohn Rudys, womit Rudy Pevenage gemeint sein soll, Ullrichs Freund und Betreuer.
In den Dokumenten aus Spanien wurden auch die Codes entschlüsselt, die Fuentes zur Verschleierung der Dopingmaßnahmen benutzt hatte. "Niño" stand demnach für Wachstumshormon, "Ignacio" für den Wachstumsfaktor IGF-1, "PCH" für Testosteronpflaster, "Vino" für Blutdoping. Vino, Wein.
Der Buchstabe E mit einem Kreis bedeutete, so die Ermittler, die Entnahme von Blut, "E" mit einem doppelten Kreis hieß, dass das Blut zur verbesserten Haltbarkeit eingefroren wurde. "R" mit Kreis war das interne Symbol für die Rückführung des Blutes, ein doppelt eingekreistes "R" stand für das Reinfundieren tiefgekühlten und wiederaufgetauten Blutes. In mehreren Dokumenten ließen sich diese Abkürzungen den Pseudonymen Ullrichs zuordnen. Das BKA ging schließlich davon aus, dass der Deutsche die "dopingrelevanten Medikamente bzw. Blutbehandlungen zu den angeführten Terminen erhalten hat".
Die spanischen Behörden hatten bei einer Razzia, der sogenannten Operación Puerto, bei Fuentes neun Blutbeutel beschlagnahmt, die sie Ullrich zuordneten. Doch stammten die viereinhalb Liter Blut tatsächlich von ihm? Das BKA drängte auf einen DNA-Test, Ullrich stimmte schließlich einem "freiwilligen Mundschleimhautabstrich" zu.
Zwei Beamte des BKA erwarteten den Beschuldigten am frühen Nachmittag des 1. Februar 2007 in der Polizeidirektion Konstanz. Sie forderten Ullrich auf, den Mund auszuspülen, um "Manipulationsmöglichkeiten des eigenen Speichels" zu verhindern, nahmen zwei Wattetupfer, strichen damit die rechte und die linke Wangeninnenseite ab und verpackten die Proben in speziellen Pappboxen, die sie versiegelten.
Am 26. März 2007 reiste ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen nach Barcelona. Dort entnahm er aus den von der Guardia Civil gesicherten neun Blutbeuteln Proben und flog nach Deutschland zurück. Der LKA-Serologe verglich daraufhin in Düsseldorf Ullrichs Speichelprobe mit dem Blut aus Spanien.
Es gab keinen Zweifel: Die DNA-Profile waren identisch. "Biostatistisch", so heißt es in dem Gutachten, kämen solch übereinstimmende Muster "unter mehr als sechs Billionen nicht blutsverwandten Personen nicht ein zweites Mal vor". Der Kölner Dopinganalytiker Wilhelm Schänzer überprüfte das Blut anschließend auf Dopingmittel. Er fand zwar keine unerlaubten Präparate, stellte aber fest, dass es für eine leistungssteigernde Rückzufuhr aufbereitet war.
Wenn Jan Ullrich sich öffentlich gegen die Dopingvorwürfe wehrte, stilisierte er sich zum Opfer einer Verschwörung. Auch bei seinem Rücktritt vom Radsport, den er im Februar 2007 im Ballsaal II des Hamburger Hotels Intercontinental bekanntgab, schimpfte er auf schlampig arbeitende Ermittler und Journalisten. Dann gab er der "Bild"-Zeitung ein Interview und antwortete auf die Frage, ob er jemals gedopt habe: "Niemals! Ganz klipp und klar! Ich habe in meiner Karriere immer versucht, fair zu sein, und bin stolz zu sagen, dass ich niemals jemanden betrogen oder jemandem geschadet habe."
So sieht er es. Das ist Ullrichs Wahrheit. Seine Welt. Bis heute.
Doch es gab nie eine Intrige gegen Ullrich. Es gab keine schlampigen Ermittlungen. Auch der angeblich erzwungene Rücktritt vom Radsport soll selbstgewählt gewesen sein. So hat es Pevenage, Ullrichs Intimus, Jef D'hont erzählt. Demnach habe Ullrich seinen Entschluss bei einem Trainingslager auf Mallorca gefasst. Der Grund: Während die Kollegen fleißig weiterdopen würden, müsse er wegen "des Fuentes-Skandals mit ständigen Kontrollen rechnen". Aus Ullrichs Sicht bestand somit wohl keine Chancengleichheit mehr. D'hont hatte Gespräche mit Pevenage heimlich mitgeschnitten, später reichte er den BKA-Beamten Kopien dieser Aufnahmen nach. Pevenage behauptete gegenüber den BKA-Beamten, D'hont würde über ihn "Unwahrheiten" verbreiten.
Die Ermittler interessierten sich besonders für die Spur des Geldes. Sie wollten wissen, ob Ullrich direkt oder indirekt an Fuentes gezahlt hatte. Sie stießen auf Unterlagen, wonach der Radprofi bei mindestens acht Banken in Deutschland Konten oder Depots führte. Hier waren die Kontrollen negativ: kein Hinweis auf den spanischen Dopingarzt.
Fündig wurden die Ermittler schließlich im Allgäuer Ort Germaringen. Dort hatten sie die Wohnung eines Geschäftsmanns gefilzt, der für die Olaf Ludwig Cycling GmbH, formal Jan Ullrichs Arbeitgeber, die Abrechnungen erledigte.
In einem Ablagefach eines Schreibtischs hatten sie ein loses Blatt Papier entdeckt, auf dem Bankverbindungen von T-Mobile-Fahrern notiert waren. Es zeigte sich, dass Ullrich auch bei der Credit Suisse im Schweizer Grenzort Kreuzlingen ein Konto führte, auf das sein monatliches Gehalt in Höhe von 241 458,33 Euro floss. Es hatte die Nummer 75634792.
Bei genauer Überprüfung der Unterlagen, die sie bei Manager Strohband beschlagnahmt hatten, stießen die Fahnder ein zweites Mal auf Ullrichs Konto bei der Credit Suisse. Auf einem Computer hatten sie eine Tabelle gefunden. Strohband hatte für Ullrich sämtliche Kontobewegungen zwischen Dezember 2002 und Mai 2006 aufgezeichnet.
Demnach hatte Ullrich am 4. Februar 2004 exakt 25 003,20 Euro auf ein Konto der HSBC-Bank in Genf gezahlt. Der Empfänger war Señor Eufemiano Claudio Fuentes Rodríguez: der Blutpanscher aus Madrid.
Es gab noch eine zweite verdächtige Überweisung an die Genfer HSBC: 55 000 Euro, transferiert am 9. Januar 2006. Das Geld zahlte Ullrich auf das Konto mit der Nummer 1373536, das einer Gesellschaft namens Codes Holding Ltd. gehörte. Die Firma war auf den British Virgin Islands gemeldet.
Eine per Rechtshilfeersuchen des Bundeskriminalamts eingeholte Auskunft der HSBC brachte Klarheit: Der "wirtschaftlich Begünstigte" der Codes Holding war seit November 2004 Eufemiano Fuentes. Offenbar fühlte sich der Dopingdoktor mit seiner Briefkastenfirma ziemlich sicher. Auf das identische Konto hatte auch der deutsche Radprofi Jörg Jaksche 10 000 Euro überwiesen - für Fuentes' medizinischen Beistand beim Blutdoping, wie der geständige Sportler den BKA-Beamten bei einer Zeugenvernehmung zu Protokoll gab.
Die Aktenlage ist eindeutig: Ullrich hat Fuentes in zwei Tranchen 80 000 Euro nach Genf überwiesen. Für die Fahnder steht fest: Es war der Preis fürs Dopen. Gegenüber den Ermittlern hat Ullrich zu den Vorwürfen bis zuletzt geschwiegen.
Jan Ullrich wohnt mit seiner Familie zurückgezogen in der Schweiz am Bodensee. Er wagt sich nicht oft nach draußen. Er mag die Fragen nicht, die ihm dann immer gestellt werden. Ullrich lebt in einem eigenen Kosmos, in den er sich mit seinem Sieg bei der Tour de France 1997 hineinkatapultiert hatte. Dort lösten eigens installierte Stäbe die Probleme, die der Radstar bekam oder die er schuf. Beim Team Telekom nannten sie das Vollversorgungsprogramm für ihren jungen Helden "Babysitter-System".
Tatsächlich verloren damals eine Menge Leute den Verstand, wenn es um größtmögliche Nähe zu Jan Ullrich ging. Ron Sommer etwa, der frühere Vorstandschef der Deutschen Telekom. Er ließ Prominente aus ganz Deutschland in Zielorte von Tour-de-France-Etappen einfliegen, damit sie seinen Wunderknaben aus nächster Nähe bestaunen konnten.
Oder Rudolf Scharping, einst Kanzlerkandidat der SPD und Verteidigungsminister. Wie ein Pilger reiste er dem Radler bei Frankreich-Rundfahrten hinterher. Was ihn dabei alles bewegte, druckte die "Bild"-Zeitung in täglichen Kolumnen. Im Sommer 2005 zum Beispiel interviewte Scharping Ullrich für die "Bunte". Am Ende fragte Ullrich: "Sag mal, Rudolf: Hast du eigentlich noch mein 97er-Siegerrad, das wir dir zum Fünfzigsten geschenkt hatten?" Scharping antwortete: "Natürlich. Das geb ich nie her."
Ullrich genoss die Aufmerksamkeit, und er verdiente sehr viel Geld. Für das Jahr 2006 hatte die Olaf Ludwig Cycling GmbH, die Ullrich für seine Dienste im Team T-Mobile bezahlte, dem Radprofi ein Festgehalt in Höhe von 2 523 650 Euro garantiert. Hinzu kam ein Bonus in Höhe von 526 350 Euro. In den beiden Jahren zuvor hatte er von T-Mobile außerdem 1,3 Millionen Euro für Werbung bekommen. In seinen Verträgen stand stets die Klausel, dass Doping ein Grund für fristlose Kündigung sei.
Auch die Nebeneinnahmen sprudelten, wie ein Auszug von Ullrichs Credit-Suisse-Konto belegt. Eine Privatklinik am Tegernsee überwies ihm mal 48 900 und mal 23 670 Euro; für ein 64-Kilometer-Rennen an einem Septemberabend durch die Altstadt von Ravensburg kassierte Ullrich 35 000 Euro, für 156 Kilometer in Nürnberg gab es 20 000 Euro.
Allein auf seinem Konto in Kreuzlingen sowie einem zweiten beim Bankhaus Lampe in Düsseldorf gingen nach Recherchen der BKA-Ermittler zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 30. Juni 2006 an "Einkünften aus Fahrer- bzw. Werbeverträgen" 8 505 285,53 Euro ein.
Die Fahnder notierten sich sogar, wo Ullrich mit einer Kreditkarte der Bayerischen Landesbank auch zu "Boutiqueeinkäufen" war: in München, San Francisco, Las Vegas, New York, Los Angeles, Freiburg und Lech am Arlberg.
Ullrich, auch das geht aus den Akten hervor, gab sein Geld großherzig wieder aus, und seinem Manager Strohband machte der lockere Lebenswandel seines Schützlings wohl Sorgen. Am 12. November 2005 rief Ullrich ihn an, Strohband war gerade "bei der Terrasse am Reinigen mit dem Dampfstrahler", als sein Telefon klingelte. Das Gespräch dauerte eine knappe Viertelstunde.
Ullrich, der sich einige Monate zuvor von seiner langjährigen Lebensgefährtin getrennt hatte, war seit kurzem mit Sara Steinhauser liiert, der Schwester eines Freundes und Radfahrkollegen. Im September 2006 heiratete er sie. Es muss Strohband wichtig gewesen sein, was er seinem Schützling "jetzt als väterlicher Freund" zu sagen hatte, denn er nahm seine Worte auf einer Mikrokassette auf. In den Akten des BKA findet sich die Abschrift.
"Sei mal nicht zu leichtfertig mit deinem Geld", sagte Strohband, "dass du nicht zu gutgläubig bist jetzt, ich sage mal, jetzt in dem Fall, auch Sara alles zu erzählen." Dann warnte er Ullrich davor, seiner neuen Freundin eine Vollmacht für die Konten zu geben. "Ich meine, du bist ja kein Verdiener wie ein Normaler jetzt, der 5000 Euro verdient im Monat oder so. Sondern du hast ja richtig Kohle auch insgesamt angesammelt ... Also, nur nicht eben alles offenlegen. Guck mal ... Rudi kriegt von dir Schwarzgeld, ich kriege von dir in der Schweiz schwarz da was hin. Das sind ja Sachen, die darf ja kein Mensch wissen. Wenn da mal irgendetwas hart auf hart kommt, dann sitzen wir alle da und machen ein langes Gesicht, weil wir dann Probleme kriegen ... Wenn einer gezielt richtig was macht, der ist so geschickt ... dann wirst du erpresst, vielleicht aus irgendeiner Sache ... du weißt ja, was medizinisch manchmal ist."
Was bedeutet die Formulierung "was medizinisch manchmal ist"? Das BKA folgerte bei der Auswertung des Gesprächs, dass Ullrich wegen "Dopinghandlungen" erpresst werden könnte.
Und Rudi, der Schwarzgeld kriegte? Damit war nach dem Urteil der Fahnder Rudy Pevenage gemeint, Ullrichs persönlicher Betreuer beim Team T-Mobile.
Ullrich überwies seinem Vertrauten, mit dem er nach eigenen Worten "durch dick und dünn" gehe, jährlich 125 000 Euro. In den Jahren 2005 und 2006, das fanden die belgischen Finanzbehörden heraus, kassierte Pevenage diese Einnahmen netto. In einem Geldwäsche-Ermittlungsverfahren wurde deshalb sein Aktiendepot im Wert von einer Million Euro eingefroren. 130 000 Euro musste Pevenage bereits an den Fiskus zurückzahlen.
Pevenage, so fasste das BKA zusammen, hatte für den Kapitän des Teams T-Mobile "eine Rolle ähnlich einem Babysitter". Er war aber noch mehr. Nach Überzeugung der Ermittler war Pevenage auch der Mann, der Ullrich mit Fuentes zusammengebracht hatte - und der in den Jahren 2003 bis 2006 dafür sorgte, dass Ullrich sich in Spanien "dem Blutdoping und anderen verbotenen leistungssteigernden Methoden und Arzneimitteln zuwenden konnte".
Die Beweise dafür glauben die Ermittler auf Pevenages beschlagnahmtem Computer gefunden zu haben. Auf der Festplatte rekonstruierten Techniker bereits gelöschte Daten, die belegen, dass Pevenage über ein Reisebüro im belgischen Ort Wemmel für sich und den Radprofi zahlreiche heimliche Flüge nach Madrid gebucht hatte. Das war schon deshalb verdächtig, weil alle berufsbedingten Flüge von Mitgliedern des Teams T-Mobile von der Walter Godefroot GmbH und später der Olaf Ludwig Cycling GmbH gebucht wurden.
Pevenage, das entdeckten die BKA-Beamten nun, war zwischen Dezember 2003 und April 2006 insgesamt 15-mal in die spanische Hauptstadt gereist. In der Regel kam er aus Brüssel und hatte nur wenige Stunden Aufenthalt, ehe er wieder nach Belgien zurückkehrte.
Auf Ullrichs Namen hatte Pevenage acht Kurztrips nach Madrid gebucht, die, so steht es in den Akten, "wohl keinen touristischen Hintergrund gehabt haben dürften" - auch der Radprofi blieb meist nur für ein paar Stunden in der spanischen Hauptstadt. Die BKA-Beamten stellten fest, dass Pevenage und Ullrich "häufig einen Reisetag von/zu einem Trainingslager nutzten, um einen Zwischenstopp in Madrid machen zu können".
So wie am 22. Dezember 2005. Im Kalender seines Managers Strohband fanden die Ermittler für diesen Tag einen Hinweis, dass Ullrich von einem Trainingsaufenthalt in Südafrika in seinen Schweizer Wohnort Scherzingen zurückkehren würde. Tatsächlich flog Ullrich nach kurzem Zwischenstopp bis nach Madrid. Dort landete, aus Brüssel kommend, um 12 Uhr auch Rudy Pevenage. Obwohl er noch am Abend desselben Tages nach Brüssel zurückreiste, hatte Pevenage für 55 Euro ein Zimmer im Hotel Tryp Diana reserviert. Es liegt ganz in der Nähe des Madrider Flughafens Barajas.
Die Ermittler sind überzeugt davon, dass Pevenage Zimmer 608 nur buchte, damit Ullrich sich dort ungestört von Fuentes behandeln lassen konnte. In den Akten stießen die BKA-Fahnder auch auf einen handschriftlichen Eintrag im Kalender des Arztes. Demnach hatte Fuentes just für den 22. Dezember 2005 eine Blutentnahme des Kunden vermerkt, dem er die Codenummer "1" gegeben hatte: Jan Ullrich.
Konkrete Hinweise auf Behandlungen Ullrichs durch Fuentes finden sich in den Akten der spanischen Strafverfolger an sieben weiteren Tagen, an denen Pevenage nach Erkenntnissen des BKA für Ullrich Flüge nach Madrid organisiert hatte. Insgesamt kommen die BKA-Fahnder in den Jahren 2003 bis 2006 auf 24 Termine Ullrichs in Madrid, "um sich dort zur Vorbereitung von Dopinghandlungen umfangreichen Blutentnahmen bzw. -zuführungen bei dem spanischen Dopingarzt und Beschuldigten Eufemiano Fuentes zu unterziehen".
Ullrich äußerte sich gegenüber der Bonner Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen nicht. Pevenage sagte den Ermittlern bei seiner Vernehmung, dass er Eufemiano Fuentes, den er "Eufe" nannte, bereits seit etwa 20 Jahren kenne. Es sei richtig, dass er private Flüge Ullrichs nach Madrid gebucht und gezahlt habe: "Anlässe dieser Reisen waren zumeist privater Natur. Ich flog nach Madrid, um für Jan Ullrich zu dolmetschen, da dieser lediglich Englisch sprach."
Es sei auch richtig, dass Fuentes und Ullrich sich von 2004 bis 2006 "so ungefähr fünf- bis sechsmal pro Jahr" getroffen hätten. Von Blutbehandlungen habe er "jedoch keine Kenntnis", sagte Pevenage, vielmehr habe Ullrich ihn wegen seiner "Übergewichtsprobleme" gebeten, den Kontakt zu Fuentes herzustellen: "Sein Ziel war, sein Gewicht binnen vier Wochen von 84 auf 76 Kilogramm zu reduzieren." Kurz vor Ende der Vernehmung sagte Pevenage: "Ich möchte noch anmerken, dass Jan Ullrich zu dieser Zeit wie ein Sohn für mich war."
Die Ermittlungen des BKA gegen Jan Ullrich waren ein Mammutprojekt. Zeitweilig arbeiteten rund 20 Beamte an dem Verfahren. Die Heldengeschichte eines Wunderradlers war zu einer Kriminalgeschichte geworden. Und manchmal muss man sich wundern, wie dreist Ullrich und seine Entourage die Öffentlichkeit hinters Licht führten.
Sie schreckten nicht davor zurück, vor Gerichten eidesstattliche Versicherungen abzugeben, die nach den Ermittlungen des BKA falsch sind. Das war schon 1999 im Verfahren gegen den SPIEGEL so, und so ging es immer weiter.
Als im Mai 2006 erstmals publik wurde, dass Ullrich Kunde bei Fuentes gewesen sein soll, ließ er eine Erklärung in vier Sprachen aufsetzen, "dass es von mir keinerlei Verbindung zu ihm gibt". Als einige Wochen später offensichtlich war, dass er sein Blut in Spanien gebunkert hatte, bereitete seine Freundin Sara eine Erklärung vor, die ihn entlasten sollte. Das BKA fand sie später im Computer.
Sara empfahl, Ullrich solle bei einer Pressekonferenz sagen, er habe in Spanien Blut hinterlassen, um "für den absoluten Notfall vorzusorgen ... Dort hat sich die Möglichkeit geboten, für den Fall der Fälle, diese Blutbeutel unbegrenzt liegenzulassen". Dann sollte Ullrich sagen, er habe zwar Blut abgegeben, aber nie wieder zurückbekommen. Der Gedanke an unerlaubte Methoden sei schließlich noch kein Betrug.
Und als der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke in einem Interview sagte, er sei im Besitz von Dokumenten, laut denen der Radprofi 35 000 Euro an Fuentes gezahlt habe, erwirkte Ullrich eine einstweilige Verfügung. Der Radprofi gab eine eidesstattliche Versicherung ab, er habe nicht an den Spanier bezahlt - worauf Franke den Rechtsstreit vor dem Land- und dem Oberlandesgericht in Hamburg verlor.
Wie kaltschnäuzig das Ullrich-Lager auch dabei betrog, belegt ein kleiner gelber Zettel, den die BKA-Beamten im Büro des Managers Strohband bei der Razzia fanden. Er klebte auf dem Ausdruck eines Artikels von SPIEGEL ONLINE, der sich mit der vermeintlichen Zahlung an Fuentes beschäftigte. Darauf waren handschriftlich die exakten Summen notiert, die Ullrich dem Dopingdoktor überwiesen hatte: 25 003,20 Euro am 4. Februar 2004, 55 000 Euro am 9. Januar 2006.
Für die Beamten des BKA stand nach über einjährigen Ermittlungen im November 2007 zweifelsfrei fest, dass Ullrich mit Hilfe des spanischen Arztes Fuentes gedopt hatte. Ihre Erkenntnisse hatten sie auf 33 Seiten zusammengefasst. Die Staatsanwaltschaft Bonn schrieb, dass der Tatverdacht gegen Ullrich zum Nachteil von T-Mobile hinreichend belegt sei.
Das sind die Fakten aus den Akten. Die Ermittlungen des BKA kosteten den Steuerzahler Millionen. Aber warum klagten die Strafverfolger Ullrich nicht an? Warum kann Ullrich weiter behaupten, nie ein Doper gewesen zu sein?
Der Fall Ullrich ist auch ein Sündenfall für die Justiz. Er zeigt, dass man Sportler, die mal zu den größten Idolen in Deutschland zählten, nicht so einfach vor Gericht bekommt.
Ullrich kann sich gute Anwälte leisten. Als klar war, dass ihr Mandant das Doping nicht mehr leugnen konnte, boten Johann Schwenn und Peter Michael Diestel der Staatsanwaltschaft einen Deal an: die Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung gegen Zahlung einer Geldbuße. Ihre Begründung: Ullrich werde seine Karriere beenden, damit sei er gestraft genug.
Die Staatsanwaltschaft Bonn lehnte zunächst ab, die Voraussetzungen dafür seien nicht gegeben, weil Ullrich eine "erhellende Einlassung" abgelehnt habe. Noch war die Haltung: ohne Geständnis keine Milde.
Schwenn argumentierte, es könne doch nicht sein, dass Ullrich gegenüber der Bonner Staatsanwaltschaft erst seine Tat einräumen solle, bevor das Verfahren eingestellt werde. Der gleichen Anklagebehörde, so fuhr er fort, die einst das Verfahren gegen Helmut Kohl wegen illegaler Parteispenden eingestellt habe, ohne dass der damalige Bundeskanzler zuvor habe aussagen müssen. Ob es schlimmer sei zu dopen, als illegal Spenden zu sammeln?
Da knickte die Staatsanwaltschaft irgendwann ein. Womöglich hatte sie auch Befürchtungen, dass ein öffentlicher Prozess ungeahnte Überraschungen zutage fördern könnte. Später wertete das BKA Unterlagen von T-Mobile aus. In einer internen Mail ging es um die Vertragsauflösung von Ullrich nach dessen fristloser Kündigung. Offenbar hatte Ullrich den Anwälten des Konzerns angedroht, er könnte öffentlich auspacken.
T-Mobile zahlte Ullrich daraufhin eine Abfindung in Höhe von 250 000 Euro, alle Beteiligten vereinbarten darüber Stillschweigen. Ein BKA-Beamter schrieb in einem Vermerk: "Das in der E-Mail erwähnte ,Bedrohungspotential' hinsichtlich einer öffentlichen Äußerung Jan Ullrichs bezüglich der medizinischen Betreuung und den Trainingsmethoden deutet darauf hin, dass hierüber im Vorfeld detaillierter gesprochen wurde. Aufgrund der darin gesehenen Bedrohung kann davon ausgegangen werden, dass der Sponsor T-Mobile und der Rennstall Olaf Ludwig Cycling über die Dopingpraktiken im Team in Kenntnis gesetzt wurden."
Der Konzern T-Mobile hat immer vehement abgestritten, etwas vom Doping im eigenen Team gewusst zu haben.
Das Tauziehen zwischen Ullrichs Verteidigern und der Bonner Staatsanwaltschaft endete mit einem juristischen Kuhhandel ganz im Sinne des Beschuldigten - ohne Geständnis, ohne öffentlichen Prozess. Ullrich musste eine Geldbuße in Höhe von 250 000 Euro bezahlen, das Verfahren wurde eingestellt. Dabei sei zu berücksichtigen, so schrieb ein Staatsanwalt an das Landgericht Bonn, dass "der Ruf des Beschuldigten in der Öffentlichkeit weitestgehend ruiniert ist".
Das Landgericht stimmte dem Deal zu. Ullrich zahlte 100 000 Euro an die Staatskasse, 20 Hilfsorganisationen von der Aktion Sonnenschein über die Bonner Tafel bis zum Frauenhaus Bonn erhielten jeweils 7500 Euro.
Im Dezember 2008 stellte die Staatsanwaltschaft Bonn ebenfalls das Verfahren gegen den mitbeschuldigten Pevenage gegen eine Zahlung in Höhe von 25 000 Euro ein.
Die Akte ist damit geschlossen.
Jan Ullrich war ein deutscher Held. Aber er hat vor langer Zeit versäumt, die Wahrheit zu sagen. Er lebt jetzt in einem selbstgebauten Gefängnis. Er muss hoffen, dass endlich Ruhe einkehrt, dass die Vergangenheit nicht noch einmal aufgerollt wird. Bislang ist er gut davongekommen.
Aber noch immer gibt es Leute, die um die Wahrheit kämpfen. Der Dopingexperte Werner Franke ficht vor dem Hamburger Landgericht das Urteil an, das ihm die Behauptung verbietet, Ullrich habe an Fuentes 35 000 Euro bezahlt. Die eidesstattliche Versicherung von Ullrich ist durch die BKA-Ermittlungen längst widerlegt.
Aber noch immer sehen sich die Richter nicht in der Lage, Ullrich als Lügner zu entlarven und Franke recht zu geben. Bislang hat Franke über 50 000 Euro an Prozesskosten bezahlt. Aber er will nicht aufgeben, das Zivilverfahren geht weiter.
Der Professor hat Jan Ullrich erst vor einigen Tagen erneut wegen Prozessbetrugs angezeigt. UDO LUDWIG, GERHARD PFEIL,
MICHAEL WULZINGER
Von Udo Ludwig, Gerhard Pfeil und Michael Wulzinger

DER SPIEGEL 43/2009
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