26.10.2009

MOLDAUMoskau droht

Kaum ist auch in Chisinau, der Hauptstadt der früheren Sowjetrepublik Moldawien, eine liberale Regierung an der Macht, kommen aus Moskau Drohgebärden. Denn die neue moldauische Regierung unter Vlad Filat fordert eine "Wiedervereinigung" des Landes und betreibt obendrein eine Nato-freundliche Politik. Als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach, spaltete sich der Landesteil östlich des Dnjestr von der Republik ab und formierte sich als De-facto-Staat "Transnistrien". In der umstrittenen Region leben etwa 500 000 Einwohner, vorwiegend Russen und Ukrainer, weswegen sich Moskau als Schutzmacht berufen fühlt. Nationalisten betrachten die Provinz als "urrussisches Land"; seit dem Sezessionskrieg von 1992 sind dort 1200 russische Soldaten als "Friedenstruppe" stationiert. Das Problem für die Moldauer ist: Transnistrien besitzt wegen seiner Industriebetriebe und Waffenschmieden große Bedeutung für das Land. Filat will wieder Zugriff auf die Provinz, deswegen forderte der Premier jüngst bei einem Besuch in Brüssel den Abzug der Russen. Nun drohen die mit einem Szenario wie in Georgien. Die Provinz könnte sich mit Unterstützung des Kreml endgültig für unabhängig erklären oder sogar "als Exklave der Russischen Föderation anschließen", gab etwa der Kreml-nahe Außenpolitik-Experte Wjatscheslaw Nikonow zu verstehen, ein Enkel des sowjetischen Außenministers Molotow.

DER SPIEGEL 44/2009
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