09.11.2009

TV-PROGRAMM„Ein Frauensender fehlte einfach“

Andreas Bartl, 46, Vorstand bei ProSiebenSat.1, über den neuen Kanal FemTV und den Fehlstart von Johannes B. Kerner
SPIEGEL: Die Werbekrise macht Ihrer Sendergruppe zu schaffen, ihr Konzernchef würde am liebsten neue Bezahlkanäle starten - und Sie gründen ausgerechnet einen Frauensender im Free-TV. Wie passt das zusammen?
Bartl: In Deutschland gibt es über hundert Frauenzeitschriften, aber keinen Frauensender. Der fehlte einfach noch in der Landschaft, deshalb starten wir im Frühjahr FemTV - als frei empfangbaren Sender, digital im Kabel und via Satellit.
SPIEGEL: Mitten in der Krise, bei einer Flut von Nischenkanälen und Ihrem Schuldenberg. Das ist mutig.
Bartl: Mutig ja, aber wir sehen eine echte Chance, auch am Werbemarkt. Frauen sind eine attraktive Zielgruppe, aber viele Unternehmen werben bisher nur in Print und nicht im Fernsehen, weil sie sich in TV-Spots nicht wiederfinden. Wir können bei FemTV Werbekonzepte ausprobieren, für die wir auf unseren großen Sendern einfach nicht genug Platz hätten, etwa gut erzählte und natürlich klar erkennbare Promotion-Storys. FemTV ist eine Spielwiese für neue Ideen und damit für neue Kunden.
SPIEGEL: Wie soll das Programm aussehen? Es gibt auf allen Kanälen schon jede Menge Programm für Frauen - oder laufen Heidi Klums Topmodels bald bei FemTV statt bei ProSieben?
Bartl: Nein, da würde sich ProSieben bedanken. Wir werden dort eigenes Programm spielen und US-Serien wie "Gossip Girl" oder "Brothers & Sisters" zum Teil in deutscher Erstausstrahlung. Wir produzieren auch selbst und setzen auf Themen rund um Mode, Lifestyle, Beauty, Food und Gesundheit.
SPIEGEL: Wie hoch soll denn Ihr Marktanteil werden? Und wann verdienen Sie Geld, der Konzern ist knapp bei Kasse?
Bartl: Wir stellen uns auf mittlere Sicht etwa zwei bis fünf Prozent vor bei den 14- bis 49-jährigen Frauen. Und in zwei Jahren wollen wir Gewinn machen, heute hat man dafür keine fünf Jahre Zeit.
SPIEGEL: Wer wird Senderchef?
Bartl: Es sollten sich schon Frauen den Kopf darüber zerbrechen, wie ein Frauensender aussieht. Ich bin daher sehr froh, dass ich mit Katja Hofem-Best eine erfolgreiche deutsche TV-Managerin als Senderchefin gewinnen konnte.
SPIEGEL: Zurzeit haben Sie ein Problem: Ihr teures neues Sat.1-Gesicht Johannes B. Kerner hat einen sauberen Fehlstart hingelegt mit 7,6 Prozent Quote.
Bartl: Natürlich haben wir gehofft, dass wir den Senderschnitt treffen und im Idealfall anheben, die Quoten müssen besser werden. Es ist aber ein wöchentliches Magazin, wir können schnell Lehren ziehen. Das Tempo muss höher werden, wir müssen den richtigen Rhythmus finden. Das ist jetzt die normale Ingenieursarbeit des Fernsehmachens.

DER SPIEGEL 46/2009
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