23.11.2009

NÜRBURGRINGV-Mann belastet Ex-Minister Deubel

Möglicherweise war die rheinlandpfälzische Landesregierung tiefer in dubiose Finanzierungspläne für den Bau des Freizeitzentrums am Nürburgring verstrickt als bisher bekannt. Das legt der Bericht eines V-Mannes der Kriminalpolizei nahe, der im Mainzer Innenministerium Alarmstimmung auslöste. Der von der Düsseldorfer Kripo eingesetzte Informant meldete im Mai ein Treffen zwischen dem mittlerweile zurückgetretenen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) und "Geschäftsleuten" in einem Fünfsternehotel in Zürich. Detailliert beschrieb der V-Mann, wie Deubel am 23. Mai dieses Jahres im Hotelcafé versucht haben soll, private Investoren für den 300-Millionen-Euro-Ausbau des Nürburgrings zu gewinnen. Dabei soll er indirekt bis zu acht Millionen Euro an möglichen Provisionen in Aussicht gestellt haben. Ermittler beobachten schon länger solche Wochenendtreffen in Luxushotels, bei denen dubiose Makler Geschäfte zwischen Geldanlegern und Kreditsuchenden anbahnen wollen. Häufig würden dabei Prominente als "Türöffner" eingesetzt. Deubel bestreitet vehement, an dem Tag dort gewesen zu sein. Der V-Mann beharrt jedoch darauf, ihn dort gesehen zu haben und meinte, ihn anschließend auf Fotos auch eindeutig identifiziert zu haben. Der Minister hatte seinerzeit auf Wunsch obskurer Finanzmakler veranlasst, dass zunächst 80, dann 95 Millionen Euro aus Landesmitteln auf Konten einer liechtensteinischen Bank deponiert wurden - angeblich als "Sicherheit" für Investoren. Doch statt des mehrfach angekündigten dreistelligen Millionenbetrages erhielt Deubel am Ende nur zwei ungedeckte Schecks. Die Finanzmakler, gegen die inzwischen die Staatsanwaltschaft ermittelt, hatten da allerdings schon über eine Million Euro als Honorare und angebliche Aufwandsentschädigungen kassiert.

DER SPIEGEL 48/2009
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NÜRBURGRING:
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