07.12.2009

SPENDENVerdächtige Tieropfer

Nach den Durchsuchungen bei der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) gehen Ermittler dem Verdacht nach, dass Spendengelder für rituelle Schafsopfer in großem Stil veruntreut wurden. Zudem sollen Sozialversicherungsbeiträge vieler Imame in IGMG-Gemeinden einbehalten worden sein. Ermittler sehen Anhaltspunkte dafür, dass Milli-Görüs-Gemeinden von Zehntausenden Muslimen jeweils hundert Euro für ein Tieropfer einsammelten. Die Spendengelder sollen aber teilweise für andere Zwecke verwendet worden sein. Es bestehe zudem der Anfangsverdacht, dass die IGMG nur für zehn Prozent ihrer haupt- und nebenamtlichen Imame die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ordnungsgemäß abgeführt habe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln wollte Details mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Der IGMG-Generalsekretär Oguz Üçüncü sagte, die Vorwürfe seien "Inhalt des Durchsuchungsbeschlusses". Er wies alle Vorwürfe als "völlig haltlos" zurück und sprach von einer "Rufmordkampagne". Auf ihrer Internetseite berichtet die IGMG, in ihrer diesjährigen "Opfertierkampagne" seien insgesamt 82 363 Opfertiere gespendet und "unter den Bedürftigen in aller Welt" verteilt worden. Jeder Muslim ist angehalten, zum Opferfest einmal im Jahr ein Tier entweder selbst oder von anderen schlachten zu lassen. Sollte es dabei zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein, wäre das "ein ungeheuerlicher Vertrauensmissbrauch und ein ernster Verstoß gegen religiöse Sitten", sagt der Islamwissenschaftler Michael Kiefer. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Mittwoch bundesweit 26 Büros und Privaträume der IGMG durchsucht.

DER SPIEGEL 50/2009
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