07.12.2009

SIEMENSEx-Finanzchef wehrt sich

Die seit gut drei Jahren schwelende Korruptionsaffäre ist für die neue Siemens-Führung auch nach der Einigung mit Ex-Chef Heinrich von Pierer, 68, und acht weiteren Altvorständen über Schadensersatzzahlungen von knapp 20 Millionen Euro noch lange nicht ausgestanden. Vor allem der frühere Finanzchef und langjährige Siemens-Manager Heinz-Joachim Neubürger, 56, der neben Ex-Vorstand Thomas Ganswindt, 49, einen Vergleich ablehnte, wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, er habe seine Aufsichtspflichten verletzt. Außerdem rügt er, dass ihm vom Konzern bislang die Einsicht in wichtige Unterlagen für den bevorstehenden Zivilprozess vorenthalten worden sei. Ein Siemens-Sprecher betont, allen Ex-Vorständen sei in derselben Weise Zugang zu den nötigen Dokumenten gewährt worden. Neubürger, der nach seinem Ausscheiden bei der US-Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts (KKR) in London indische Kunstgeschichte studiert, hatte nach Angaben von Siemens-Insidern angeboten, statt der geforderten vier Millionen Euro zunächst eine ansehnliche sechsstellige Summe als symbolische Buße zu zahlen. Sollte er nach einem seit fast drei Jahren anhängigen Ermittlungsverfahrens der Münchner Staatsanwaltschaft verurteilt werden, obwohl er die erhobenen Vorwürfe für "nicht begründet" hält, wollte er einen Nachschlag entrichten. Doch der Aufsichtsrat unter Chefkontrolleur Gerhard Cromme lehnte das Kompromissangebot ab. Bei dem nun anstehenden Prozess will Neubürger auch bislang wenig bekannte, ihn entlastende Argumente und Unterlagen einbringen. Sie wurden nach Ansicht seiner Anwälte bisher zu wenig gewürdigt. So hatte Neubürger frühzeitig angeregt, Beraterverträge schärfer zu kontrollieren, war damit aber zunächst gescheitert. Auch habe er seine Vorstandskollegen ausdrücklich auf die Gefahren mangelnder Korruptionskontrollen hingewiesen. Die Lehren aus dem Skandal will Neubürger für sich selbst und andere Topmanager oder Aufsichtsräte nach Abschluss seiner Verfahren grundsätzlich aufarbeiten - in Form eines Sachbuchs.

DER SPIEGEL 50/2009
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