07.12.2009

RUSSLANDTod auf leichten Sitzen

Wie geplant soll der von Siemens entwickelte Hochgeschwindigkeitszug "Wanderfalke" am 18. Dezember seine Fahrt zwischen Moskau und St. Petersburg aufnehmen - trotz des Terroranschlags auf dieser Strecke mit 26 Toten und mehr als 90 Verletzten. "Wir werden die Sicherheitsvorkehrungen mit Überwachungskameras und Kontrollen verstärken", kündigte Wladimir Jakunin an, der Chef der Russischen Eisenbahnen. Bei einem Gesamtstreckennetz von 85 000 Kilometern könne es allerdings "keine vollkommene Sicherheit" geben. In Russland ist nun eine Debatte über die Frage entbrannt, ob der neue Zugtyp, eine Modifizierung des deutschen ICE, für das terrorgefährdete Land geeignet sei. Beim jüngsten Anschlag wurden einige Passagiere offenbar getötet, weil die bequemen, aber leichten Sitze aus Deutschland bei der Notbremsung aus ihren Verankerungen rissen. Bei einem ähnlichen Anschlag im August 2007 gab es keine Toten: Die schweren russischen Sitze saßen fest. Die Hersteller betonen nun, dass "alle Anforderungen" der russischen Sicherheitsvorschriften "eingeflossen" seien. Russische Ermittler vermuten Islamisten aus dem Kaukasus als Täter. Scharf wehrte sich Jakunin gegen Spekulationen, die Behörden versuchten mit dem Hinweis auf das Werk von Terroristen einen Unfall zu vertuschen. "Diese Zyniker, die anders als ich das Grauen am Tatort nicht gesehen haben, würde ich am liebsten vor Gericht bringen."

DER SPIEGEL 50/2009
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