07.12.2009

FOTOGRAFIEBilder des Verfalls

Man sollte sich nur dieses Bild anschauen, um schlagartig zu begreifen, wie sehr der Sozialismus in der DDR schon in den frühen achtziger Jahren an sein Ende gekommen war. Ein Foto von Harald Schmitt, das Schilder und Transparente für eine staatliche Friedensdemonstration vor einer verfallenen Backsteinfassade zeigt. Die Aufnahme enthüllt beides: den inneren Verfall und den lügenhaften Propagandakleister über einer entmutigten Gesellschaft. Doch Schmitt, der sechs Jahre lang in der DDR akkreditiert war, hat weit mehr abgelichtet, denn er war dicht dran und mittendrin. Er hat Robert Havemann besucht, den Antennenwald auf den Hausdächern fotografiert und die Töpfchen-Parade in Kinderhorten - Bilder eines Staats, der um Normalität bemüht war und irgendwann ins Rutschen geriet. Schmitt, der in seiner Karriere über hundert Länder bereist hat, war auch in Polen, in Lettland und Moskau, als der Sozialismus dort Geschichte wurde. Und in Peking, wo der Protest der Studenten gewaltsam niedergeschlagen wurde. Seine einzigartige Bilderparade "Sekunden, die Geschichte wurden" ist noch bis zum 18. Januar 2010 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu besichtigen.

DER SPIEGEL 50/2009
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