14.12.2009

ZEITGESCHICHTEBunkermentalität

Vor zwölf Jahren besuchte der niederländische Fotograf Martin Roemers in Brandenburg verlassene Gebäude der russischen Armee. Er sah verfallende Baracken, zugewucherte Betonflächen und nutzlos gewordenes Gerät und beschloss, den Eindruck, den ihm diese Tristesse machte, fotografisch zu bewahren. Zwölf Jahre lang reiste er durch Europa, suchte in Großbritannien, Polen, Deutschland, der Ukraine und anderswo nach Spuren und Überresten des Kalten Krieges, der nach 1945 begann und erst 1990 endete. Roemers fotografierte Landschaften, Kasernen, Raketenbasen, vor allem aber Tunnel; seine Bilder erwecken den Eindruck, halb Europa sei damals untertunnelt gewesen. Je länger das Ende des Kalten Krieges zurückliegt, desto mehr wird der Fotograf dabei zum Archäologen. Er findet Inschriften, die niemand mehr entziffern kann, Symbole, die keiner mehr versteht, und Bunker, die keinen Schutz mehr bieten. Und er lernt, dass auch ein Krieg, der nie heiß wurde, eine Landschaft verändert und zerstört. Das einzige Foto, auf dem Menschen zu sehen sind, zeigt zwei Kinder, die Herzen auf eine Betonmauer malen, in einem ehemaligen Silo für Atomraketen.
Martin Roemers: "Relics of the Cold War". Hatje Cantz Verlag, Ostfildern; 144 Seiten; 35 Euro.

DER SPIEGEL 51/2009
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