14.12.2009

BAYERNLBGroßinvestor wehrt sich

In der Affäre um den umstrittenen Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die BayernLB (BLB) gerät nach mehreren Ex-Vorständen und -Kontrolleuren nun auch eine wichtige Kronzeugin unter Druck: die Wirtschaftsprüferin und Ex-Commerzbank-Managerin Corinna Linner. Die Finanzexpertin hatte im Auftrag des BLB-Verwaltungsrats Ende Mai ein Papier über den Beteiligungserwerb vom Frühjahr 2007 erstellt, es später aber teilweise relativiert. Darin rügt sie unter anderem den hohen Zeitdruck, unter dem die Verhandlungen mit dem damaligen HGAA-Großaktionär, einer Investorengruppe um den Vermögensverwalter Tilo Berlin, abliefen. Für einen Teil der Anteile, die Berlin erst von einer österreichischen Versicherung erwerben musste und kurz danach mit einem deutlichen Aufschlag an die BLB weiterreichte, hätten die Landesbanker selbst die Finanzierung stellen müssen, heißt es in Linners Gutachten. Die Staatsanwaltschaft hegt die Vermutung, dass auch hohe Ex-BLB-Manager von dem Gewinn profitiert haben könnten, was Berlin allerdings vehement bestreitet. Auch den Verdacht, die BayernLB habe ihm beispringen müssen, weist er empört zurück. Berlin versichert, er habe die Mittel für den HGAA-Anteilserwerb damals längst beschafft, allerdings mit einer längeren Laufzeit. Auf Drängen der BLB-Banker, die das Geschäft schnell abschließen wollten, habe er schließlich einer kurzfristigen Kreditzusage durch das Institut zugestimmt. Weil Berlin die Passagen in Linners Papier als "Rufschädigung" erachtet, will er sie nun gerichtlich zwingen, ihre Darstellung zu widerrufen, und sie sogar auf Schadensersatz verklagen. Er argwöhnt ohnehin, dass die Beraterin von hochrangigen CSU-Politikern vor allem eingesetzt wurde, um Material für eine parteiinterne Auseinandersetzung zu sammeln. Parallel dazu wollen seine Anwälte vor der Wirtschaftsprüferkammer ein Verfahren gegen Linner einleiten, da sie Berlin zuvor nicht angehört und daher ohne die standesrechtlich vorgeschriebene Sorgfalt agiert habe. Die Finanzexpertin selbst wollte sich vergangene Woche zu dem Vorgang nicht äußern.

DER SPIEGEL 51/2009
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