14.12.2009

GESTORBENAlfred Hrdlicka

Alfred Hrdlicka , 81. Ob es das "Gegendenkmal" war, das er in Hamburg als Kommentar zu einem Kriegerdenkmal aufstellte, sein Wiener "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus", seine Zeitungsartikel oder seine Talkshow-Auftritte: Kaum jemand hat die Rolle des Künstlers als Störenfried so überzeugend ausgefüllt wie der Wiener Alfred Hrdlicka. Der Sohn eines kommunistischen Gewerkschafters hatte eine Lehre als Zahntechniker gemacht, bevor er sich einem Kunststudium zuwandte. Während er sich danach als Hilfsarbeiter durchschlug, entwickelte er eine Formensprache, die die Gewalt, die Menschen sich antun, in der Kraft spiegelte, mit der er sein Material bearbeitete. Gut zu erkennen an seinem Friedrich-Engels-Denkmal in Wuppertal, einer zwölf Tonnen schweren Marmorvariation auf den Satz "Sie haben nichts zu verlieren als ihre Ketten". Hrdlicka sah sich in einer Reihe mit Michelangelo. Abstrakte Kunst hielt er für "blutleer", als Zentralbegriff für sein eigenes Schaffen schlug er das "Fleisch" vor. Hrdlicka war Künstlerfürst und Kommunist zugleich. Seine Behauptung, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi "verkuppelt" zu haben und so für die Gründung der Linkspartei mitverantwortlich zu sein, wurde von diesen nie bestritten. Alfred Hrdlicka starb am 5. Dezember in Wien.

DER SPIEGEL 51/2009
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