18.01.2010

Twitterst du noch, oder lebst du schon?

Nr. 2/2010, Titel: Google - Der Konzern, der mehr über Sie weiß als Sie selbst
Der Konzern, der mehr über mich weiß als ich selbst? Da bin ich aber mal gespannt, ob Google weiß, in welchem Jahr an welchem Tag ich an welcher Schule bei welchem Gedicht in der wievielten Zeile steckengeblieben bin!
ESSEN KLAUS MÜLLER
Sehr, sehr schöner, gruseliger Artikel. Beruhigend: Wer die ganze Zeit damit beschäftigt ist, Informationen auf seinem Internet-Handy zu lesen, wird versäumen, Ereignisse in die Welt zu setzen, über die es sich lohnen würde, auf dem Internet-Handy zu lesen. Insofern: Twitterst du noch, oder lebst du schon ...
HAMBURG GEORG H. BÜSCH
Wissen ist Macht, und Macht ist gefährlich, sofern sie nicht von Weisheit getragen und von ständigem Verantwortungsbewusstsein begleitet wird. Diese Dinge aber muss man sich hart erarbeiten. Es sieht so aus, als ob die Master von Google in ihrem Bestreben, sich alles Mach- und Denkbare zu ergoogeln, ohne dabei eigene Grenzen zu definieren, in diesen Disziplinen ein wenig nachsitzen müssen. Wer schützt vor Missbrauch? Der Teufel unterscheidet sich vom Engel doch nur durch das Vorzeichen.
BAD BEDERKESA (NIEDERS.) WOLFRAM KULLMANN
Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen des Artikels zuerst auf "Google Dashboard" klickte und mir mein Google-Konto ansah. Klar, dass Google weiß, welche E-Mails ich versendet oder empfangen habe, und dass bekannt ist, welche Klamotten ich für meinen Sohn bei Ebay ersteigert und welche Bücher ich bei Amazon gekauft habe. Auch, dass ich mich über die Möglichkeit eines Fernstudiums erkundigt habe. Was Google jedoch nicht weiß, ist, dass mein Sohn aus den Klamotten größtenteils schon wieder rausgewachsen ist, dass ich die Bücher alle selbst gelesen habe und so weiter. Google weiß nicht, wie ich mich fühle, wenn ich morgens aufstehe, wie es mir geht, wenn mein Sohn krank ist ... Das alles zumindest so lange, bis ich selbst bestimme, dass ich meine Meinung oder Gefühle im Netz kundtun möchte.
FELDE (SCHL.-HOLST.) DANIELA PIOCH
Big Google is watching you, eine grausige Vorstellung. Den Satz "Don't be evil" kann ich dabei auch nicht gelten lassen, denn was ist, wenn mir jemand Böses will und nur durch mein Gesicht an meine Adresse und Hintergrunddaten kommt? Sollte diese neue Technik nicht an den Datenschutzgesetzen scheitern (was ich hoffe), dann gehe ich künftig nur noch mit falschem Bart oder Clownsnase aus dem Haus, damit mich kein Handy-Scanner mehr erkennen kann.
SCHWABHAUSEN (BAYERN) BIRGIT LEHRL
Der Artikel fokussiert den Blick auf (fehlenden) Datenschutz und Privatsphäre. Das ist zwar richtig, wird am Schluss dann jedoch fortschrittsgläubig relativiert. Allein das Informationsmonopol ist globale Bedrohung: Jede missliebige Information kann zensiert und ausgeblendet werden. Oder missliebige Information wird zwar nicht zensiert, doch für die Darstellung so gering bewertet, dass sie niemand mehr wahrnimmt: ein noch gefährlicheres, da viel unauffälligeres Instrument, die Richtung unseres Denkens zu lenken, Kaufverhalten zu steuern, Wahlen zu beeinflussen, Politik zu machen und so weiter.
NIENHAGEN (NIEDERS.)
DR. WOLFGANG SANDER-BEUERMANN
LEITER EINES SUCHMASCHINENLABORS
Wir gehen im Internet mit unseren Daten so um, als wenn keiner sie je sehen könnte. Man möchte ja auch nicht, dass jeder in der Nachbarschaft weiß, dass man Schulden hat oder welche Praktiken man im Bett bevorzugt. Doch im Internet legen wir jede Scheu ab und geben alle unsere "Geheimnisse" preis. Das Ausmaß der Datensammelwut können wir erst in ein paar Jahren erkennen, wenn man keinen Kredit mehr bekommt, weil der Schwager seinen nicht zurückzahlt, die Lebensversicherung höhere Beiträge verlangt, da man nur noch im Discounter einkauft und seinen Fitnessstudio-Vertrag gekündigt hat. Dann erkennen wir erst, dass viele Unternehmen das Privatleben komplett durchleuchten können.
LAUPHEIM (BAD.-WÜRTT.) MIRCO MEYER

DER SPIEGEL 3/2010
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