18.01.2010

AUSSTELLUNGENSonntagsmaler Sarkozy

Einige haben Talent, andere wenigstens den richtigen Namen: Von Ende April an werden in der renommierten Pariser Galerie Espace Cardin Gemälde von Pál Sarkozy ausgestellt, dem Vater des französischen Staatspräsidenten. Die Bilder fallen vor allem durch die Wahl der Sujets auf: Es handelt sich überwiegend um Darstellungen von Sohn Nicolas oder dessen Gattin Carla Bruni. Vater Sarkozy, ein Einwanderer aus Ungarn, war in seiner Heimat Zeichenlehrer und wollte nach seiner Immigration 1948 eigentlich auch in Paris künstlerisch reüssieren; das Talent reichte aber nur für eine ordentliche Karriere in der Werbebranche. Seine artistische Berufung entdeckte der geschäftstüchtige Präsidenten-Papa erst wieder nach dem Wahlsieg seines Zweitgeborenen: "Die Stellung meines Sohnes", gestand der 81-Jährige, "hilft mir enorm." Und so produziert Sarkozy senior seit dem Einzug von Nicolas in den Elysée mit enormem Fleiß und Ausstoß großflächige Formate. Unterstützt wird er dabei von dem deutschen Grafiker Werner Hornung. Nach Vorlagen aus dem eigenen Familienalbum schafft Papa Pál Collagen, bei denen er Fotos mit Filzstift und Farbstift ausmalt, bevor Hornung die Werke einscannt, nachbessert und anschließend auf Leinwand ausdruckt. Bei der bevorstehenden Pariser Schau, die Anfang Februar bereits in Budapest vorgestellt wird, zeigt der Künstler seine Schwiegertochter Carla Bruni als Muse auf einem Piano sitzend. Eine rote Rose im Vordergrund will der Senior als doppelt tiefschürfenden Hinweis verstanden wissen: "Es ist das Symbol von Nicolas' politischer Öffnung zur Linken, ebenso wie das Emblem der Liebe." Das grelle OEuvre, vom "Figaro Magazine" charakterisiert als "Neo-Surrealismus, gekreuzt mit Traumwelten und Erotik", findet bei Experten indes wenig Anklang. Marcel Fleiss, international geschätzter Kenner der Kunstrichtung und selbst Galerist, beschreibt Sarkozy als "Sonntagsmaler wie tausend andere" und lehnte die Bitte um eine Ausstellung vor zwei Jahren rundweg ab.

DER SPIEGEL 3/2010
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Sonntagsmaler Sarkozy

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