18.01.2010

FERNSEHENKriminelle Höllenfahrt

Es ist das Dunkelste und Genaueste, was es zurzeit an deutschem Fernseh-Krimi gibt. Nur leider verbirgt sich die dritte und mit acht Folgen endgültig letzte Staffel der ZDF-Serie "KDD - Kriminaldauerdienst" wie Dornröschen hinter den Hecken. Wechselnde Anfangszeiten auf Arte, verwirrende Zusammenschnitte der zuvor gelaufenen Geschehnisse, viele Hauptakteure, noch mehr Handlungsstränge. Trotzdem lohnt es sich für dazustoßende Zuschauerprinzen und -prinzessinnen, sich durch die Dornen des schweren Zugangs zu kämpfen. So unmärchenhaft wach und beunruhigend ist es nur selten hinter den TV-Hecken. Die Folge zwei der von Orkun Ertener geschriebenen Serie, an diesem Dienstag, 21.45 Uhr auf Arte, durcheilt in rasenden Schnitten und mit zunehmender Verzweiflung eine Welt, der alle Unschuld abhandengekommen ist. Das fängt bei den Gesetzeshütern an: Ein kokainsüchtiger Polizist (Billey Demirtas) ermordet einen Verbrecher, eine schöne, aber frustrierte Kollegin (Melika Foroutan) lässt sich für eine Heldentat feiern, die auf Schmu beruht. Die Beziehung des KDD-Chefs mit seiner Lebenspartnerin (Götz Schubert, Johanna Gastdorf) schwebt zwischen Neuanfang und alter Qual. Eine Polizistenwitwe (Nina Kronjäger) spielt falsch. Beim Zusehen setzt sich die Erkenntnis durch, dass hier das Genre Krimi erwachsen geworden ist. Tröstliche Klischees, humorige Anflüge, die kindische Gemütlichkeit der Routine - alles wird beim "KDD" verweigert. Im großen Showdown endet diese kriminelle Höllenfahrt mit Folge acht: keine Fortsetzung. Eine richtige Entscheidung des ZDF. Denn jedes nur dem Arbeitsplatzerhalt dienende Weiterwursteln hätte das TV-Monument, das "KDD" schon heute ist, beschädigt.

DER SPIEGEL 3/2010
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