18.01.2010

TV-SERIEN„Der Vampir ist eine Figur der Krise“

Literaturwissenschaftler Stefan Keppler-Tasaki, 37, über den Start von „Vampire Diaries“ (ProSieben, Mittwoch, 21.15 Uhr) und den Blutsauger-Boom in den Medien
SPIEGEL: Warum boomt das eigentlich schon mal längst verschwundene Vampirgenre in den Medien gerade so sehr?
Keppler-Tasaki: Der Vampir ist eine Figur der Krise, denn er verkörpert die Ängste der Menschen. Die jüngsten Filme zeigen Vampire konservativ, familienfreundlich, anspruchsvoll und stark - darin spiegelt sich die Krisenzeit.
SPIEGEL: Befriedigen Vampirfilme nicht vor allem den Drang der Medien, Sexualität abbilden zu können?
Keppler-Tasaki: Penetration durch den Biss, attraktive Vampirfiguren: Sexualität ist gewiss ein auffälliges Thema. Der muffige, verrottete Vampir gehört zu einer Minderheit. So ein Film ist heute ein Modekatalog, und auch in der Reklame bedient man sich gern des Vampirs als Werbefigur.
SPIEGEL: Sind sich nicht alle Vampirgeschichten sehr ähnlich, auch die aktuelle Serie "Vampire Diaries"?
Keppler-Tasaki: In den USA ist die Serie ein Erfolg. Natürlich erinnert sie an "Twilight" oder "Buffy": Die Serie spielt ebenfalls in der konservativen Kleinstadt an der High School, und es geht ebenfalls um pubertierende Teenager, die ihre Sexualität entdecken. Die Ähnlichkeiten kommen aber auch vom starken Traditionsbezug des Vampirthemas.
SPIEGEL: Transportiert das Genre nicht insgesamt ein merkwürdiges Frauenbild?
Keppler-Tasaki: Der starke, schöne, schützende Mann des konservativen Familienbildes gehört zum neuesten Vampirismus, und wenn sich die Frau ihm erotisch ausliefert, muss es für immer sein.

DER SPIEGEL 3/2010
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