08.02.2010

ERNÄHRUNG„Nicht immer Aldi-Leberkäse“

Die Autorin Rosa Wolf, 51, über gutes Essen trotz Hartz IV
SPIEGEL: Frau Wolf, für Ihr Buch "Arm aber Bio!" haben Sie einen Monat lang von Hartz IV gelebt und trotzdem ausschließlich Bio gekocht. Wie schafft man es, sich für 4,35 Euro am Tag gut zu ernähren?
Wolf: Man muss radikal selber machen: Ich habe Fladenbrot gebacken, aus Bio-Mehl, Wasser und Salz. Statt Fertigmüsli zu kaufen, habe ich mein Frühstück aus Haferflocken, Früchten und Joghurt für 75 Cent zusammengestellt. Bei Radieschen habe ich, zusätzlich zum Gemüse, die Blätter als Kräuter verwendet und auch mal die billigeren, überreifen Bananen eingekauft. Es ist mühsam, aber machbar.
SPIEGEL: Warum sollten auch Hartz-IV-Empfänger Bio leben?
Wolf: Thilo Sarrazin hat mal einen Speiseplan fürs Hartz-IV-Budget vorgeschlagen. Da gab es morgens Wurst, zum Mittag Fleisch und abends auch - alles vom Discounter. Und tatsächlich kaufen viele fleischlastige Fertiggerichte, weil sie denken, das sei billiger. Dabei ist es hauptsächlich ungesund. Ich will zeigen, dass sich Hartz-IV-Empfänger nicht von Aldi-Leberkäse ernähren müssen. Außerdem schützt, wer Bio kauft, die Umwelt.
SPIEGEL: Ist eine Hartz-IV-Mutter wirklich in der Lage, die Umwelt durch Konsum zu schützen?
Wolf: Ich sage ja nicht, dass es einfach ist. Von Hartz IV zu leben bedeutet immer Verzicht. Aber wenn man eh zu Hause ist, weil man keine Arbeit hat, kann man auch Kartoffelbrei aus Bio-Kartoffeln machen, statt das abgepackte Fertigzeug zu kaufen. Das ist nicht teuer, die Kinder lernen, was gutes Essen ist, und die Öko-Bilanz ist besser als beim Discounter-Brei.
SPIEGEL: Welcher Verzicht tat Ihnen besonders weh?
Wolf: Spargel konnte ich mir leider nur von weitem ansehen. Zweimal, im Mai, habe ich mir Erdbeeren geleistet, die haben aber ein riesiges Loch in meine Finanzen gerissen. Auch meinen Heißhunger auf Schnitzel musste ich zügeln. Obwohl: Einmal habe ich mir ein Minischnitzel gegönnt, für 2,60 Euro. Ich habe Geschnetzeltes daraus gemacht, so konnte ich zwei Tage davon essen.
Rosa Wolf: "Arm aber Bio!". Edition Butterbrot, München; 212 Seiten; 11,95 Euro.

DER SPIEGEL 6/2010
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