22.03.2010

BriefeNepotismus, Impertinenz, Inkontinenz

Nr. 10/2010, FDP: Wie Außenminister Guido Westerwelle Politik und Privatleben vermischt
Guido ist naiv und nicht mit Weitsicht gesegnet. Wer spätrömische Dekadenz in der Bundesrepublik vermutet, muss sich nicht wundern, selbst zur Zielscheibe zu werden. Es liegt doch nahe, dass die diplomatische Tour eines Schwulenpaars nach Südamerika, bei der sich der "Römische Kaiser" mit dem Titel eines Außenministers und Vizekanzlers der BRD schmücken darf, entsprechend ins Blickfeld rückt. Es wird immer deutlicher, warum sich unser Außenminister diese Spielwiese ausgesucht hat, anstatt in harter Arbeit als Chef eines anderen Bundesressorts seine im Wahlkampf vollmundig propagierten Ziele durchzusetzen. Wer gibt uns FDP-Wählern endlich eine solide Parteiführung wieder?
Bonn Gerhard Reintzsch
Es ist seit Adenauers Zeiten üblich und für den Wirtschaftsstandort Deutschland förderlich, dass sich Bundeskanzler, Außen- oder Wirtschaftsminister von Wirtschaftsdelegationen begleiten lassen. Als Managerin und Unternehmerin habe ich seit 20 Jahren immer wieder an Wirtschaftsdelegationen von CDU/SPD- oder FDP-Politikern teilgenommen. So zuletzt, wie Sie in Ihrem Beitrag erwähnen, auch an der Reise des Außenministers in die Türkei, nach Saudi-Arabien, Katar, Abu Dhabi und in den Jemen, gemeinsam mit acht weiteren Vertretern der Wirtschaft. Darunter waren Herr Asbeck als prominenter Grüner und Chef von Solarworld, Unternehmer mit CDU- wie SPD-Parteibüchern, Parteilose sowie zwei Unternehmer mit FDP-Parteibuch. Wenn der Vizekanzler und Außenminister in Zukunft keine Unternehmer mit FDP-Parteibuch mitnehmen sollte, damit nicht der Verdacht aufkommen könnte, dass er "Freunde und Gönner" auf seine Reisen mitnimmt, dann wäre dies genauso absurd, als wenn die Bundeskanzlerin in Zukunft auf ihren Auslandsreisen die Unternehmer mit CDU- und CSU-Parteibuch in der Heimat zurücklässt. Für den Standort Deutschland wäre diese Praxis gewiss nicht förderlich.
Berlin Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos
Wenn man den Artikel liest, kann man als Bildungsbürger mal wieder in den Topf seines Fremdwörterarsenals greifen. Westerwelle verkörpert: Nepotismus, Impertinenz und spätliberale mentale Inkontinenz. Diese gelbe Rübe ist eine Zumutung und, wenn es nicht so traurig wäre, eine politische Lachplatte.
Tiefenbronn (Bad.-Württ.) Dieter Zink
Westerwelle: "Verleumdungen gegen mich schaden Deutschland." Seitdem Herr Westerwelle sich zur Freiheitsstatue erkoren hat, mit 14 Prozent in die Regierungsverantwortung gewählt wurde, verfällt er langsam, aber sicher der Selbstüberschätzung, dem Größenwahn. Das schadet Deutschland. Danke, Herr Westerwelle. "Der Bürger ist klug", wie Sie schon sagten.
Goch (Nrdrh.-Westf.) Rudolf Nowak
Gewiss: Juristische Fehlgriffe sind Westerwelle nicht nachgewiesen. Deshalb darf er für sich die gängige Unschuldsvermutung reklamieren. Die realitätsferne Amtsführung ist damit aber nicht entschuldigt. Die Gefahr der naheliegenden Kritik zu übersehen war politisch dumm wie auch seine Verteidigung. In der Opposition hätte er genau die Attacken gesetzt, welche er jetzt so aufgeregt bekämpft.
Stuttgart Günter Fluck

DER SPIEGEL 12/2010
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