29.03.2010

AFGHANISTANVon Guantanamo in den Dschihad

Er war Häftling Nummer 008 im US-Gefängnis von Guantanamo, jetzt ist Abdul Qayyum Zakir die Nummer zwei der Taliban in Afghanistan. Vergangene Woche ernannte deren Gründer, Mullah Omar, den 36-jährigen Paschtunen aus der Provinz Helmand zu seinem Stellvertreter im Kampf gegen die internationale Koalition und die Regierung von Präsident Hamid Karzai. Damit ersetzt er seinen im Februar in Pakistan inhaftierten Vize, Mullah Baradar, durch einen Hardliner und erfahrenen Militärstrategen. Mullah Baradar hatte gegenüber der Regierung angeblich Verhandlungsbereitschaft signalisiert, offenbar ohne das Einverständnis von Mullah Omar. Der neue Stellvertreter Zakir organisierte bisher den Aufstand im Süden des Landes und will kämpfen bis zum Sieg. Sechs Jahre hatte Zakir, dessen richtiger Name Abdullah Ghulam Rasoul ist, nach seiner Festnahme 2001 ohne Anklage in Guantanamo gesessen. Schließlich konnte er die US-Behörden überzeugen, er habe sich vom bewaffneten Kampf distanziert. Die Amerikaner überstellten ihn nach Kabul, dort wurde er auf freien Fuß gesetzt. Laut einer Pentagon-Studie kehrt jeder siebte entlassene Guantanamo-Häftling in den Kampf zurück und ist dann noch radikaler als zuvor. So wurden die pakistanischen Taliban von dem ehemaligen Guantanamo-Häftling Abdullah Masoud aus Süd-Waziristan mitbegründet. Der zweite Mann von al-Qaida im Jemen, der Saudi-Araber Said Ali Schahri, war Ende 2007 nach sechs Jahren Guantanamo-Aufenthalt in seine Heimat verlegt worden. Er habe gute Chancen zur Rehabilitierung, hieß es in Riad. Kurz darauf setzte sich Schahri ins Nachbarland ab.

DER SPIEGEL 13/2010
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