31.05.2010

DOPINGGesetz gegen Armstrong

Wird Radprofi Lance Armstrong ein amerikanisches Anti-Mafia-Gesetz zum Verhängnis? Seit 1970 gilt in den Vereinigten Staaten der Racketeer Influenced and Corrupt Organizations (Rico) Act, ein Bundesgesetz, das zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und des Drogenhandels erlassen worden war. Im Fall von Armstrong ermittelt derzeit eine Bundesbehörde, ob in seinem früheren Team US Postal Dopingmittel und illegale Drogen gegen Geldzahlungen vertrieben wurden. Erhärtet sich der Verdacht, kann ein Bundesstaatsanwalt auf Grundlage des Rico Act Anklage erheben. Die Ermittler haben sich auch deshalb eingeschaltet, weil der Radrennstall von der amerikanischen Post, einem Staatsunternehmen, als Hauptsponsor finanziert worden war. Vorvergangene Woche hatte Floyd Landis, von 2002 bis 2004 Armstrongs Teamkollege, davon berichtet, er sei bei US Postal in Dopingpraktiken eingeführt worden und habe von Armstrong persönlich Epo-Präparate erhalten. Armstrong, siebenmaliger Sieger der Tour de France, war nicht nur der Spitzenfahrer des Teams, sondern auch dessen Mitbesitzer; er bestreitet, jemals gedopt oder Dopingmittel weitergereicht zu haben. Chefermittler Jeff Novitzky von der US-Arzneimittelbehörde plant, einige Zeugen vorzuladen, darunter Armstrongs Ex-Frau Kristin. Sie soll laut Landis im August 2003 Augenzeugin bei der Übergabe von sechs Epo-Spritzen an Landis gewesen sein. Eine Falschaussage wäre strafbar. Marion Jones, US-Olympiasiegerin in der Leichtathletik, war 2008 nach dem Balco-Dopingskandal wegen Meineids sogar zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Lance Armstrong hat es bislang immer vermieden, vor Behörden oder Gericht unter Eid auszusagen, und Streitigkeiten zumeist außergerichtlich beigelegt.

DER SPIEGEL 22/2010
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