31.05.2010

NACHRICHTENN24-Betriebsrat lehnt Verkauf ab

Der Betriebsrat von N24 hat sich fürs Erste gegen einen Verkauf des Nachrichtensenders an das eigene Management ausgesprochen. In einer E-Mail an Mitarbeiter und den ProSiebenSat.1-Vorstand lehnt der Betriebsrat einen Verkauf an Dritte, auch an das Management, ab und fordert den Verbleib des Kanals im TV-Konzern. Zur Begründung heißt es, der Betriebsrat habe bisher nur unzureichend Kenntnis über das Konzept im Fall des Verkaufs bekommen. Die Angst sitzt tief, dass N24 und seine Nachrichtenproduktion außerhalb des TV-Konzerns schwerer überleben könnten. Bisher gilt das Management um Senderchef Torsten Rossmann zusammen mit Ex-SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust als aussichtsreicher Kandidat. Sie setzen darauf, künftig nicht mehr nur ProSiebenSat.1 mit News zu beliefern, sondern auch andere Sender. Offenbar schätzt der Betriebsrat die Chancen für solche Drittgeschäfte aber pessimistischer ein und fürchtet, dass die Mitarbeiter etwa im Falle einer späteren Pleite finanziell schlechter dastünden als bei einer Entlassung im Rahmen des zwei Jahre laufenden Sozialplans von ProSiebenSat.1. Der Verbleib von N24 im Konzern würde freilich ebenso viele Jobs kosten wie ein Verkauf ans Management. Von den etwa 210 Vollzeitstellen würden wohl in beiden Fällen knapp 100 abgebaut. Nach früheren Berechnungen verlöre etwa die Zentralredaktion die Hälfte der rund 70 Kollegen, die Parlamentsredaktion drei Viertel. Zu den weiteren Interessenten für N24 gehört neben dem TV-Produzent Jan Mojto (mit SPIEGEL TV als Nachrichtenlieferant) auch der russische Investor Dmitrij Lesnewski, der gerade seinen strauchelnden deutschen Sender Das Vierte verkauft hat und sich dadurch bessere Chancen bei N24 erhofft. Lesnewski hat für N24 eine Arbeitsplatzgarantie abgegeben, die offenbar zwei Jahre gilt und mit einer Bankbürgschaft abgesichert sein soll. Allerdings ist offen, ob der Konzernvorstand an die Nachhaltigkeit der russischen Offerte glaubt. Bis zur Hauptversammlung am 29. Juni soll die Entscheidung fallen.

DER SPIEGEL 22/2010
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