14.06.2010

LUFTHANSA9,5 Milliarden für eine Kanzlerin

Der spektakuläre Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der arabischen Fluglinie Emirates am Dienstag vergangener Woche auf der Internationalen Luft- fahrtschau (ILA) in Berlin hatte offenbar einen ernsteren Hintergrund als bislang bekannt. Nach Aussagen eines Regierungssprechers machte der Airbus-Kunde ihre Anwesenheit "zur Bedingung" für die Vertragsunterzeichnung in Berlin über 32 Exemplare des Riesenjets vom Typ A380 im Wert von 9,5 Milliarden Euro. Wegen der überragenden Bedeutung des Auftrags habe man die Forderung schließlich erfüllt. Beobachter vermuteten bislang, die Kanzlerin wollte den Lufthansa-Rivalen bewusst hofieren, um ihrem Verkehrsminister Peter Ramsauer demonstrativ beizu- springen. Der CSU-Politiker war wegen seiner Asche-Flugverbote von Konzernlenker Wolfgang Mayrhuber und Aufsichtsratschef Jürgen Weber zuletzt scharf kritisiert worden. Ein Merkel-Vertrauter bestreitet, dass es Spannungen zwischen der Lufthansa und der Bundesregierung gibt. Hochrangige Lufthansa-Manager fühlen sich trotzdem düpiert, und das offenbar aus gutem Grund. Bereits im Vorfeld der ILA hatte Mayrhuber gefordert, den Luftverkehr ein Jahr später als geplant in den Emissionshandel einzubeziehen, um die Airlines für ihre Verluste durch den isländischen Vulkanausbruch zu entschädigen. Stattdessen beschloss die Bundesregierung im Rahmen ihres Sparpakets überraschend, vor allem heimische Fluglinien mit einer Luftverkehrsabgabe zu belasten. Ramsauer sprach sich zudem gegen die Privatisierung der Deutschen Flugsicherung aus und bedauerte sogar, dass sich der Bund schon vor längerer Zeit komplett von seinen Lufthansa-Anteilen trennte. Wie gut die Kontakte der Lufthansa zur Regierung tatsächlich sind, dürfte sich in den kommenden Monaten herausstellen. Als Gegenleistung für ihre Großbestellung wollen die Araber weitere Verkehrsrechte in Deutschland. Die Lufthansa ist strikt dagegen.

DER SPIEGEL 24/2010
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