28.06.2010

KIRGISIEN„Gewöhnliche Schlägerei“

Kurmanbek Bakijew, im April gestürzter Staatschef Kirgisiens, schätzt auch in seinem weißrussischen Exil weiterhin die Anrede "Herr Präsident". Dennoch kündigte er bei einem Abendessen in Minsk, gereicht wurden Langusten und Hennessy-Cognac, gegenüber dem SPIEGEL seinen Rückzug aus der Politik an. Bakijew wies Anschuldigungen zurück, er habe den Aufruhr in seinem Heimatland angestachelt. Die Unruhen, bei denen allein in der südlichen Provinzhauptstadt Osch bis zu 2000 Menschen getötet wurden, seien "nicht durch Provokateure, sondern durch eine gewöhnliche Schlägerei in einem Casino" ausgelöst worden. Schuld an der Tragödie trage allein die Übergangsregierung von Rosa Otunbajewa, die "leichtfertig und verantwortungslos agiert, wie eine Frau eben". Bakijew will jetzt in seinem Gastland Weißrussland ein Unternehmen gründen. Das Geld dafür bringe er mit, schließlich habe er "lange Jahre gearbeitet". Nichtregierungsorganisationen werfen ihm aber vor, sich als Präsident in Kirgisien bereichert zu haben. Bakijew gibt Russland und den USA die Schuld an seinem Sturz: Moskau habe Anfang 2009 versucht, ihn davon zu überzeugen, die US-Militärbasis in Manas nahe Bischkek zu schließen. Als Gegenleistung seien zwei Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe in Aussicht gestellt worden. Manas ist eine wichtige Nachschubbasis für den Krieg in Afghanistan. Als Bakijew darauf nicht eingegangen sei, habe Russland ihn fallenlassen - und die Amerikaner hätten nichts zu seinem Schutz getan.

DER SPIEGEL 26/2010
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