28.06.2010

WETTSKANDALUefa-Funktionär unter Verdacht

Ein führender Funktionär der Europäischen Fußball-Union (Uefa) steht unter Verdacht, an der geplanten Manipulation von Spielen in Uefa-Wettbewerben beteiligt gewesen zu sein. Dies geht aus Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft hervor, die gegen eine Bande mutmaßlicher Wettbetrüger ermittelt. Demnach soll sich der Slowake Jozef Marko, eines von 15 Mitgliedern der Uefa-Schiedsrichterkommission, am 22. Oktober vorigen Jahres im slowakischen Städtchen Pieštany nahe seinem Wohnort Bratislava mit Marijo C. getroffen haben, einem der derzeit in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten. Es ging, das jedenfalls legen abgehörte Telefonate nahe, um einen perfiden Plan: Marko, 64, sollte in der Schiedsrichterkommission dafür sorgen, dass der bosnische Referee Novo Panić in die zweite Leistungskategorie befördert wird, um auch Spiele der Europa League pfeifen - und manipulieren - zu können. Panić, dies geht ebenfalls aus den Akten hervor, hatte sich mit Marijo C. offenbar auf weitere korrupte Deals eingelassen. So soll Panić am 18. November in Lugano von dem Wettpaten 50 000 Euro für die Schiebung des U-21-Länderspiels Schweiz gegen Georgien kassiert haben, das er leitete. Bei einer Vernehmung durch die Schweizer Polizei wies Panić, der für den SPIEGEL nicht erreichbar war, die Vorwürfe von sich. Dennoch sperrte die Uefa ihn lebenslang. Die fast 20 Seiten umfassenden Protokolle, die den Schiedsrichterfunktionär Marko schwer belasten, liegen der Uefa seit gut einem halben Jahr vor. "Ende Mai", so behauptet der Verband nun, hätten "Vertreter der Uefa mit Herrn Marko gesprochen". Markos Version ist eine andere. Dem SPIEGEL sagte der verdächtige Schiedsrichterfunktionär, dass ihn zu den Anschuldigungen von Seiten der Uefa bislang niemand angehört habe. Er weist jegliche Manipulationsabsprache von sich. Der Anwalt von Marijo C. äußerte sich nicht.

DER SPIEGEL 26/2010
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WETTSKANDAL:
Uefa-Funktionär unter Verdacht

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