26.07.2010

TÜRKEIGift gegen Kurden?

Die Armee setzt im Kampf gegen die kurdische Untergrundorganisation PKK womöglich auch chemische Waffen ein. Das legen die Fotos von acht getöteten PKK-Rebellen nahe, die zwischen dem 8. und 15. September 2009 während eines türkischen Militäreinsatzes im Grenzgebiet zum Irak ums Leben kamen. Die Bilder, die vor einigen Wochen deutschen Menschenrechtlern zugespielt und auf ihre Authentizität überprüft wurden, zeigen stark verbrannte und verätzte Körper. Einem Gutachten des Hamburger Universitätsklinikums zufolge starben die acht Kurden wahrscheinlich durch den Einsatz chemischer Substanzen. Sollte die türkische Armee tatsächlich Giftstoffe verwenden, wäre das ein Verstoß gegen die Chemiewaffenkonvention, die auch von der Türkei ratifiziert wurde. "In diesem Fall handelt es sich um gravierende Kriegsverbrechen", so der deutsche Türkei-Experte Martin Dolzer. Menschenrechtler verlangten bisher vergebens Aufklärung durch die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan; sie verweigert zu diesem Thema jeden Kommentar. "Erdogan interessiert sich nicht für Menschenrechtsverletzungen", so Akin Birdal von der prokurdischen Oppositionspartei. "Für ihn zählt nur, dass die Armee das PKK-Problem aus der Welt schafft - mit welchen Methoden auch immer."

DER SPIEGEL 30/2010
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TÜRKEI:
Gift gegen Kurden?

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