06.09.2010

LIBANONHisbollah schont Jesus

Das gab es in Beirut selten: Rücksichtnahme auf religiöse Gefühle - und dazu noch von den Hardlinern der schiitischen Hisbollah. Die "Partei Gottes", deren Miliz als stärkste militärische Kraft im Libanon gilt, sah sich jetzt im Ramadan mit Vorwürfen der Christen im Land konfrontiert. Der maronitische Bischof Beschara Rai beklagte sich bitter über eine TV-Serie, die unter anderem im Hisbollah-Sender al-Manar ausgestrahlt wurde. Die iranische Produktion über das Leben von Jesus verfremde ihren Glauben so sehr, dass wütende Proteste das fragile konfessionelle Gleichgewicht des Landes ins Wanken bringen könnten. In der letzten Folge wird statt Jesus der Verräter Judas gekreuzigt - eine durchaus gängige, wenngleich von den Filmemachern mit antisemitischen Untertönen umgesetzte islamische Interpretation. Für Muslime ist Jesus nicht Gottessohn, sondern einer von zahlreichen Propheten. Von Auferstehung ist im Koran keine Rede. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ordnete persönlich an, die noch nicht gesendeten Teile aus dem Programm zu nehmen. Die ungewöhnliche Konzilianz dürfte politische Gründe haben. Nasrallah braucht Goodwill, der Hisbollah stehen schwierige Monate bevor. Demnächst wird das Uno-Sondertribunal in Den Haag wohl einige führende Mitglieder der Organisation des Mordes an dem früheren libanesischen Premier Rafik al-Hariri anklagen - höchst fraglich, ob danach die zwei Hisbollah-Minister im Kabinett bleiben können.

DER SPIEGEL 36/2010
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