13.09.2010

FAMILIE„Aus Hass mach Geld“

Die amerikanische Bloggerin Heather Armstrong, 35, über lukrative Muttersorgen
SPIEGEL: Wie ernährt man eine vierköpfige Familie, indem man im Internet über Brustpumpen, Depressionen und Kuchenrezepte schreibt?
Armstrong: Ich bin selbst überrascht, dass das funktioniert. Als ich vor knapp zehn Jahren anfing mit dooce.com, hatte ich mit elf, zwölf Lesern gerechnet. Der Start war auch nicht sehr erfolgreich. Ich war ziemlich naiv und machte mich in meinem Blog auch über meine Arbeit und meinen Boss lustig. Ich hätte nie gedacht, dass das jemand bemerkt. Ich wurde sofort gefeuert.
SPIEGEL: Und dann?
Armstrong: Ich war arbeitslos, depressiv und die meiste Zeit betrunken. Aber ich habe weiter geschrieben.
SPIEGEL: Wann kam der große Erfolg?
Armstrong: Als ich mich in eine psychosomatische Klinik einweisen ließ. Nach der Geburt meiner Tochter fiel ich in eine schwere postnatale Depression. Ich dachte jeden Tag daran, mich umzubringen. Die Klicks auf meine Seite sind explodiert. Inzwischen sind es 500 000 pro Monat. 2004 habe ich dann Werbung auf der Seite zugelassen. Ein Jahr später kündigte mein Mann seinen Job, um die Kunden zu betreuen.
SPIEGEL: Wie erklären Sie sich diesen Zuspruch?
Armstrong: Ich schreibe Dinge, die sonst niemand zugibt. Ich beschreibe, dass es kein zuckersüßes Leben ist mit einem Baby an der Brust.
SPIEGEL: Sie stammen aus einer Mormonenfamilie. Was sagten Ihre Eltern zu Ihrer Offenherzigkeit?
Armstrong: Meine Eltern waren über drei Dinge entsetzt: dass ich mich von der Kirche löste, dass ich nach Los Angeles zog und dass ich anfing, im Internet persönliche Dinge zu veröffentlichen. Mittlerweile lesen sie den Blog gern.
SPIEGEL: Sie stoßen aber auch auf Ablehnung.
Armstrong: Ja, ich bekomme täglich mehrere hundert Hassbriefe. Sie sagen, ich sei egoistisch, geldgierig, weinerlich und ignorant. Ich würde mein Leben verkaufen und das meiner Kinder. Ich hätte nichts zu sagen, sei hässlich, verdorben und könne nicht schreiben. Mein Ehemann habe einen großen Fehler gemacht. Am Anfang hat mir das sehr zu schaffen gemacht. Dann habe ich eine neue Web-Seite gegründet. Das Motto: "Aus Hass mach Geld". Dort kann man die bösen Briefe lesen, daneben stehen Anzeigen, beispielsweise für Lippenstift.

DER SPIEGEL 37/2010
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